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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.914]

Netsuke eines Okame-Kopfes

Netsuke eines Okame-Kopfes (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-P)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-P)

Description

Auf einem rückseitig gewölbten, ovalen Schild befindet sich im Hochrelief das Antlitz einer lächelnden, pausbäckigen Frau mit Grübchen auf Wangen und Kinn. Ihre Augen sind in ihrem Vergnügen zu Schlitzen geschlossen und die mit Punkten angedeuteten, aufgemalten Augenbrauen sitzen hoch auf ihrer leicht vorgewölbten Stirn. Der Scheitel ihrer Frisur wird durch wenige Haarsträhnen angedeutet. Auf Vorder- und Rückseite befinden sich gravierte Gitter- und Blattmuster. Die Signatur liegt auf der Rückseite zwischen dem gravierten Dekor. Die beiden Himotōshi sind verso angebracht. Die Figur der Okame hat eine sehr lange Tradition in Japan und entstammt der urjapanischen Glaubensform des Shintōismus. Der früheste ihrer vielen Namen lautet Ame no uzume no mikoto. Als sich die Sonnengöttin Amaterasu ōmikami nach einer Demütigung durch ihren Bruder Susanoo no mikoto in einer Höhle verbarg und die Welt dunkel wurde, vermochte es nur Ama no uzume, sie herauszulocken. Nachdem sie durch einen aufreizenden Tanz die anderen Götter zu lautem Lachen animiert hatte, lugte die Sonnengöttin neugierig aus ihrem Versteck hervor und es gelang den Göttern durch Schmeicheleien und letzten Endes beherztes Herausziehen, die Sonne wieder zum Scheinen zu bringen. Seither wird Okame, weitere Namen sind Uzume, Otafuku (wörtlich »großes Glück«) oder Ofuku, als personifizierte Lebenslust mit Fröhlichkeit aber auch Zweideutigkeit im sexuellen Sinne in Verbindung gebracht. In ihrer Darstellung sind das fröhliche, pausbäckige Gesicht und eine pummelige Statur charakteristisch, die auf die Stirn gemalten Augenbrauen waren eine Mode des Adels, ihre Frisur und die Kleidung hingegen verweisen auf die Heian-Zeit (794–1185). Gerne wird sie neben phallischen Objekten dargestellt, die den erotischen Aspekt ihrer Figur unterstreichen. Aber auch Fächer und Schellen als Reminiszenz auf ihre Geschichte als Tänzerin sind nicht selten anzutreffen. Masken der Okame wurden als Glücksbringer aufgehängt. Viele Maskenschnitzer verdingten sich auch als Netsukeproduzenten und transferierten ihre Modelle in das Miniaturformat. Die Maske der beliebten Okame ist da nur ein Beispiel von vielen. Es gibt in den verschiedenen Formen der darstellenden Künste zahllose Figuren und dementsprechend viele Maskentypen. Die Zuordnung von Masken-Netsuke zu konkreten Theatercharakteren fällt aber oft schwer, da die Schnitzer sich hier nicht an ikonographische Vorgaben halten mussten, sondern frei arbeiten konnten. Die Signatur »Gyokushi« auf der Rückseite verweist auf einen Künstler, der wohl im 19. Jahrhundert tätig war. Dies stimmt mit der Mode der Masken-Netsuke aus demselben Jahrhundert überein. Ab etwa 1850 war es auch üblich, Maskengruppen als Netsuke zu fertigen, wie sie in der Sammlung Schunck ebenfalls anzutreffen sind.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material / Technique

Elfenbein

Measurements ...

4,2 x 4,3 x 2,1 cm

Tags

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[Last update: 2017/07/07]

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