museum-digitalrheinland-pfalz

Close

Search museums

Close

Search collections

Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.627]

Katabori-Netsuke eines Masseurs, einen Kraftstein hebend

Katabori-Netsuke eines Masseurs, einen Kraftstein hebend (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-P)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-P)

Description

Dargestellt ist ein hockender Mann in Lendenschurz, der mit beiden Händen einen Felsen umfasst und ihn anzuheben versucht. Die Glieder seiner Wirbelsäule und seine Rippen sind klar herausgearbeitet. Auch die Unterseite ist detailreich gestaltet, denn seine Hände, die Füße und die Struktur des Steins sind zu erkennen. In roter Schrift ist die Signatur auf einem hochrechteckigen Schild aus eingelegtem Bein oder Elfenbein eingraviert. Die Himotōshi befinden sich auf der Unterseite des Steins und sind von unterschiedlicher Größe. Ein geschwollenes und ein hell gefasstes Auge sowie die Beule am Hinterkopf lassen erkennen, dass es sich um einen Blinden handeln muss, mit diesen Symptomen vermutlich ein Opfer der schweren Pockenepidemie. Im Japan der Edo-Zeit verdienten blinde Männer häufig als Masseure ihren Lebensunterhalt. Sie hatten oft ein gutes Einkommen und konnten sich deshalb durch Geldverleih ein weiteres Zubrot hinzuverdienen. Mit dieser Tätigkeit zogen sie naturgemäß die Geringschätzung ihrer Gläubiger auf sich und wurden zum beliebten Objekt parodistischer Netsuke, deren Betrachtung Schadenfreude hervorrufen sollte. Einige Kunden platzierten vor ihrem Haus einen schweren Stein, welchen der Masseur zum Beweis seiner Kraft anheben musste und diese Begebenheit wird auch bei dieser Arbeit dargestellt. Weitere Motive zeigen die Masseure bei der Arbeit an ihren Kunden (Inv. Nr. XI 736) oder im Zweikampf mit einem Kollegen (Okimono-Netsuke, Inv. Nr. XI 800 und XI 801). Dieser Darstellungstypus spiegelt auf eine leicht überzogene Art das alltägliche Leben wider. Es finden sich Netsuke mit der Darstellung von Handwerksberufen, Fischern, Bauern, Musikern, Tänzern, Händlern verschiedener Couleur, aber auch von Berufszweigen, die nicht nur uns, sondern sicherlich auch den Zeitgenossen als kurios oder gar grotesk vorgekommen sein müssen. Beispielsweise gab es Berufsnieser (Inv. Nr. XI 625), die sich an der Nase kitzelten, dann niesten und dafür von Passanten Geld bekamen, da das Niesen in Japan als glücksbringend galt. Und es gab Eierhändler und -prüfer, die Eier genau besahen, um ihre Qualität zu begutachten (Inv. Nr. XI 772). Häufig wiederholt findet sich das beliebte Motiv des glücklosen Rattenfängers, welches in dieser Sammlung in verschiedenen Materialien und Größen, von diversen Künstlern gefertigt als Okimono vorhanden ist (z. B. Inv. Nr. XI 568 und XI 569). Dieses Netsuke ist auf der Unterseite auf einer eingelegten Elfenbeintafel »Gyokkei« signiert. Es handelt sich hierbei um einen Künstler aus Tokio, der wohl im 19. Jahrhundert tätig war und dieses Motiv wiederholt in gleichem Material und annähernd gleichem Format geschnitzt hat. Dies war nicht unüblich; beliebte Sujets wurden viele Male von ihren Schnitzern gefertigt oder auch von anderen Künstlern aufgegriffen.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material / Technique

Holz

Measurements ...

3,4 x 2,8 x 3,5 cm

Tags

 /> </a><a href=

[Last update: 2017/07/07]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.