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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.527]

Katabori-Netsuke eines Holländers mit Hahn und Tabakspfeife

Katabori-Netsuke eines Holländers mit Hahn und Tabakspfeife (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Dargestellt ist die stehende Figur eines Mannes mit langem Bart, breitkrempigem Hut und längsgestreiften Hosen, der darüber einen Schurz mit Wellenmotiv recto und Rautenmotiv verso trägt. Mit der linken Hand drückt er einen Hahn an seine Schulter und in der rechten Hand hält er eine lange Pfeife. Die beiden Himotōshi sind auf der Rückseite angebracht. Nach der Abschottung Japans Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ausländischen Händlern, und das waren fast ausschließlich Chinesen und Niederländer, lediglich gestattet, sich in der ganz am äußeren westlichen Rand Japans gelegenen Stadt Nagasaki beziehungsweise auf der extra für diesen Zweck aufgeschütteten Insel Dejima in der Bucht vor Nagasaki anzusiedeln und von dort aus ihre Geschäfte zu betreiben. Der Großteil der japanischen Bevölkerung hatte folglich keinerlei Kontakt zu Ausländern. Darstellungen von Ausländern finden sich in einer illustrierten Enzyklopädie (Kinmō zui ) aus dem Jahr 1666 in der Rubrik »Menschen«. Hier stehen Holländer neben Fabelwesen aufgelistet, da kein Unterschied zwischen Menschen aus fremden Ländern und Märchengestalten gemacht wurde. Zu den Ausländern zählten neben Chinesen und Holländern auch Tataren, Malaien, colombische Korallentaucher und das skurrile Figurenpaar Ashinaga und Tenaga: einer mit überlangen Beinen und der andere mit überlangen Armen. Nur zusammen können diese beiden etwas zustande bringen und gelten folglich als Symbol für gute Zusammenarbeit. In der Sammlung Schunck gibt es ebenfalls Beispiele für das kuriose Paar (z. B. als Sashi-Netsuke, Inv. Nr. XI 533). Holländer (orandajin) werden gemeinhin – als Charakteristikum für Europäer – mit großen Augen und großen Nasen dargestellt. Ihr häufig rotblondes Haar brachte ihnen die Bezeichnung kōmōjin, »Rot-Haar-Menschen«, ein. Auch typisch europäische Kleidungsstücke wie Perücken, Hüte, Kniebundhosen oder Gamaschen kennzeichneten sie. Im späten 18. Jahrhundert waren Holzschnittdarstellungen von Holländern (nagasaki-e) beliebt und dienten den Schnitzern als Vorbilder. Verständlicherweise ging auf dem langen Weg von Nagasaki zu den Netsuke-Schnitzern viel Authentizität der Details verloren und wurde mit Phantasie ersetzt. So waren einige Kleidungselemente den Japanern schlichtweg unbekannt. Dementsprechend kam es vor, dass beispielsweise Knöpfe – von Chinesen und Holländern verwendet, der japanischen Kleidung aber abgängig – an den unlogischsten Stellen an den Figuren angebracht wurden (z. B. Chinesischer Händler, Inv. Nr. XI 529). Aber Authentizität war auch nicht Ziel der Darstellung, vielmehr galt es das Kuriose, Fremde in den Vordergrund zu stellen und ein weiteres Mal ein Objekt zum Schmunzeln zu schaffen.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Elfenbein

Measurements

5,6 x 2,4 x 1,8 cm

Keywords

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Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der...

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