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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.461]

Katabori-Netsuke von Urashima Taro mit einer Schildkröte

Katabori-Netsuke von Urashima Taro mit einer Schildkröte (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Ein Mann in schlichter Kleidung mit flacher Mütze liegt auf dem Rückenpanzer einer Schildkröte, die ihn über hohe Wellen trägt. Das Netsuke hat natürliche, aus den Wogen der Wellen gebildete Himotōshi, welche sich zum einen an der Rückseite und zum anderen mittig am Boden befinden. Wir stehen hier noch am Anfang des Märchens über Urashima Tarō (oder Urashimatarō ). Die Erzählung gibt es, ihrer mündlichen Überlieferung geschuldet, in vielen Variationen. Sie ist vermutlich bereits seit dem 5. Jahrhundert bekannt und ihre verbreitetste Form berichtet vom armen Fischer Urashima Tarō, der eine Schildkröte vor Kindern rettet, die sie quälten, und sie zurück ins Meer setzt. Diese Schildkröte lädt ihn ein auf ihr zu reiten und bringt ihn zum Untersee-Palast (vgl. Tor zum Drachenpalast, Inv. Nr. XI 462) des Drachenkönigs Ryūjin. Dort wird er freundlich empfangen und von der Tochter des Königs bewirtet. Er verbringt einige Zeit dort, heiratet laut einiger Überlieferungen sogar die Prinzessin, wünscht sich dann aber die Rückkehr zu seiner Familie. Die Prinzessin lässt ihn nur ungern ziehen, gibt ihm aber zum Abschied eine Schmuckschatulle mit, unter der Bedingung, dass er sie niemals öffnen solle. Urashima Tarō kehrt zurück, findet aber alles verändert vor und nach kurzer Zeit wird ihm klar, dass während seiner Abwesenheit Jahrhunderte vergangen sind. In der Hoffnung, im Kästchen eine Hilfe zu finden, öffnet er es, verwandelt sich binnen Sekunden in einen alten Mann und stirbt. Szenen aus beliebten Märchen wie Urashima Tarō (Inv. Nr. XI 463–465), der Spatz mit der gespaltenen Zunge (Shitakiri suzume ), der magische Kessel (Bunbuku chagama, Inv. Nr. XI 961) oder der Pfirsichjunge (Momotarō ) wurden im 19. Jahrhundert wegen ihrer erzählerischen Möglichkeiten gerne als Motiv für Netsuke-Schnitzereien gewählt. Gerade diese narrativen Netsuke wurden besonders von europäischen Sammlern gekauft und teils gezielt für den Export produziert. Ein Hinweis auf Export-Netsuke können fehlende Himotōshi sein, da diese Arbeiten von ihren europäischen oder amerikanischen Sammlern nicht in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt, sondern für die Vitrine erworben wurden. Diese Stücke nennt man gemeinhin Okimono-Netsuke.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Elfenbein

Measurements

2,4 x 4,2 x 2,5 cm

Keywords

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Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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