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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.454]

Katabori-Netsuke des Moso, im Winter nach Bambussprossen grabend

Katabori-Netsuke des Moso, im Winter nach Bambussprossen grabend (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Die vollplastisch ausgeführte Darstellung einer bärtigen Figur mit Grasmantelumhang und
breitkrempigem Strohhut steht in einem schneebedeckten Bambushain und wird von den hohen Gewächsen geschützt, dennoch hat sich schon eine hohe Schneeschicht auf seinem breiten Hut gesammelt. Er gräbt mit einer Hacke nach Bambussprossen und hat bereits eine vor sich freigelegt. Die Geschichte des Mōsō zählt zu den 24 Beispielen der kindlichen Elternliebe (jap. Nijūshikō), chinesischen Erzählungen aus dem 13./14. Jahrhundert, die bereits die japanische Malerei des 16. Jahrhunderts inspirierten. In diesem Beispiel wird geschildert, wie der junge Mōsō im tiefsten Winter für seine kranke, hungernde Mutter in den Wald geht, um bei Schnee und gefrorener Erde nach Bambussprossen zu graben. Ein aussichtsloses Unterfangen, aber Mōsō wird für seine Opferbereitschaft belohnt und findet tatsächlich Bambussprossen, die er ausgräbt und seiner Mutter bringen kann. Diese Erzählung ist ein Musterbeispiel konfuzianischer Ethik, welche die Hochachtung der Kinder vor den Eltern propagiert und zeitweise auf die gleiche moralische Stufe stellt wie die Loyalität dem Kaiser gegenüber. Das Tokugawa-Shōgunat, die japanische Regierung jener Zeit, war selbst konfuzianisch orientiert und unterstützte den Import chinesischer Philosophie und Kultur. Gleichzeitig war auch das Interesse an chinesischen Antiquitäten hoch und viele kleine Objekte, wie Siegel, Gewandschmuck oder kleine Glücksbringer aus Elfenbein (vgl. Toggle eines Karako mit Lotosstiel, Inv. Nr. XI 695), die die chinesischen Händler in Nagasaki nach Japan einführten, inspirierten die Netsuke-Schnitzer. Dieses äußerst kunstvoll geschnitzte Netsuke gibt seinen Schöpfer nicht preis. Es ist nicht signiert. Das ist nicht ungewöhnlich und auch kein Zeichen mangelnder Qualität, da gerade frühe Netsuke von Schnitzern gefertigt wurden, die dies nur im Nebenerwerb taten. Andere versierte und bedeutende Künstler signierten aus Prinzip nicht, da ihre Bescheidenheit es ihnen untersagte.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Elfenbein

Measurements

4,8 x 2,3 x 3,2 cm

Keywords

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Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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