museum-digitalrheinland-pfalz

Close
Close
Stadtmuseum Simeonstift Trier Ostasiatika [XI.377]

Manju-Netsuke »Gähnender Daruma« (akubi Daruma ) mit Priesterwedel

Manju-Netsuke »Gähnender Daruma« (akubi Daruma ) mit Priesterwedel (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)
"Manju-Netsuke »Gähnender Daruma« (akubi Daruma ) mit Priesterwedel

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

"Manju-Netsuke »Gähnender Daruma« (akubi Daruma ) mit Priesterwedel

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Auf dem nahezu quadratischen, sehr flachen Netsuke befindet sich die gravierte Darstellung der Büste eines gähnenden buddhistischen Mönches, der einen Fliegenwedel über seine rechte Schulter gelegt hat. Die Rückseite (siehe Abb. links oben) wölbt sich zu einer stark abgeflachten Pyramidenform. Mittig, parallel zueinander liegen zwei gleichförmige Himotōshi zum Durchführen der Schnur. Der dargestellte Mönch trägt in Japan den Namen Daruma und ist eine historische Figur. Unter dem Sanskrit-Namen Bodhidharma lebte er wohl im 5. und 6. Jahrhundert. Er war ein Patriarch der Zen-Sekte des Buddhismus und wurde nicht zuletzt seiner unbeirrbaren Bemühungen ihretwegen zu ihrer Symbolgestalt. Er war vermutlich indischer Abstammung und gründete und brachte den Zen-Buddhismus, chines. Chan-Buddhismus, nach China. Seine fremdländische Herkunft – sowohl aus chinesischer als auch aus japanischer Sicht – wirkte sich auf seine Darstellung in den bildenden Künsten aus: da von indischer Abstammung, zeigt man ihn mit großen, runden Augen und langen Ohrringen. Häufig stellt man ihn auch mit knolliger Nase, einem kurzen, stoppeligen Bart und buschigen Augenbrauen dar. Als buddhistischer Mönch trägt er ein rotes Gewand, oft einen Zipfel davon wie eine Kapuze über den Kopf gezogen, und einen Fliegenwedel. Karikaturen des verehrten Patriarchen tauchten ab dem 17. Jahrhundert in den bildenden Künsten auf. Man kann das dargestellte Gähnen also durchaus als Parodie des Mönches verstehen, der nach seiner legendären, neunjährigen Meditation aufwacht und sich streckt, oder aber auch im übertragenen Sinne als eine Metapher auf das Erwachen des zen-buddhistischen Geistes. Das Motiv des gähnenden oder aus seiner langjährigen Kontemplation erwachenden Darumas war ein beliebtes Thema für Netsuke. Ein weiteres parodistisches Beispiel aus der Sammlung zeigt, wie der Patriarch nach langer Meditation steht und seine Glieder streckt, während in der Zwischenzeit ein Kürbis um ihn gewachsen ist (Okimono-Netsuke, Inv. Nr. XI 378). Diese Art des Netsuke nennt man manjū-Netsuke. Sie ähneln in ihrer stark abgeflachten, runden Form einem typischen japanischen Reisküchlein und erhielten daher ihre Bezeichnung. Sie können aber auch von rechteckiger oder ovaler Form sein. Die Schnur wird entweder durch das Material des Netsuke selbst wie in diesem Beispiel oder durch eine angebrachte Öse geführt. Nach dem großen Erdbeben von Tokio im Jahr 1855 und den darauf folgenden großen Bränden wurden viele Netsuke zerstört, und da man rasch Ersatz benötigte, wurden überwiegend die einfacher und schneller zu fertigenden Manjū-Netsuke produziert. Diese wurden meist zunächst an der Drehbank vorgeformt und dann mit dem Messer geschnitzt.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Elfenbein

Measurements

3,6 x 3,7 x 1,05 cm

Keywords

Zeitleiste Objekte zum Tag auf Karte

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der...

Contact the institution

[Last update: ]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.