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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.310]

Katabori-Netsuke des Dämonenjägers Shoki, einen oni in einen Sack zwingend

Katabori-Netsuke des Dämonenjägers Shoki, einen oni in einen Sack zwingend (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)
"Katabori-Netsuke des Dämonenjägers Shoki, einen oni in einen Sack zwingend

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

"Katabori-Netsuke des Dämonenjägers Shoki, einen oni in einen Sack zwingend

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Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Auf allen Vieren hat sich eine grimmig blickende Gestalt mit fliegendem Bart und markanten großen Ohren auf einen Sack gelegt, aus dem ein gehörntes Wesen mit langen und spitzen Eckzähnen zu entkommen versucht, und drückt ihn nieder. Dabei hält der Bezwinger die Ecke des Sackes, in dem das Wesen schon halb gefangen ist, mit seinen Zähnen fest. Seine Augen sind vor Anstrengung weit aufgerissen. Er trägt eine flache Kappe und ein opulent gemustertes Gewand mit Drachenornamenten. Das dämonische Wesen hält die linke Faust erhoben und den Mund, wohl laut fluchend, geöffnet. Das Netsuke hat eine schöne abgerundete Form, der sich selbst das Schwert des Jägers und die Faust des Dämons unterordnen, und auf der Unterseite befindet sich gelbliche Patina als Hinweis auf tatsächliche Nutzung des Stücks. Die Himotōshi sind von unterschiedlicher Größe und wurden ebenmäßig geformt. Es handelt sich um eine Darstellung Shōkis (chines. Zhong Kui ), einer historischen Person aus dem chinesischen Legendenkreis, deren Geschichte in verschiedenen, sich widersprechenden Versionen erzählt wird. Er soll im 5. oder 8. Jahrhundert gelebt haben und beging Selbstmord, nachdem er einen angestrebten Verwaltungsposten nicht erlangt hatte. Sein Geist erschien wohl einige Jahrhunderte später dem damals amtierenden Kaiser im Traum und vertrieb dessen Albträume. Zum Dank ließ der Kaiser ihm nachträglich eine ehrenvolle Begräbnisfeier abhalten. Shōkis Geist war darüber wiederum so dankbar, dass er aus dem Jenseits zurückkehrte und es zu seiner Aufgabe machte, den Kaiser und sein Volk vor den Dämonen (oni ), zu beschützen. Typischerweise wird er bärtig, mit wildem Gesichtsausdruck, breitkrempigen Hut oder flacher Beamtenkappe sowie mit Flachschwert dargestellt, welches er hier am Gürtel auf dem Rücken trägt. Dies erscheint charakteristisch, da Shōki gemeinhin gewaltlos gegen seine Widersacher vorgeht und macht ihn als Motiv für Netsuke interessant. Denn nicht selten wird in den Schnitzereien sein Misserfolg zelebriert und gezeigt, wie er selbst von den Oni geärgert oder ausgetrickst wird. Es gelingt ihm selten, sie zu besiegen, da sie sich als wendiger und listiger erweisen. Das Thema des Shōki bietet sich dazu an, mit Ironie und Schadenfreude umgesetzt zu werden. Auch die Oni selbst sind ein beliebtes Motiv der Netsuke. Ob als Jagdobjekte des Shōki, als Diener des Höllenkönigs Emma-ō oder in Zusammenhang mit dem Setsubun-Fest, bei dem sie rituell mit Bohnen und dem Spruch »Dämonen heraus, Glück herein!« aus dem Haus vertrieben werden. Der Grundriss des Netsuke hat noch eine dreieckige Form wie der Stoßzahn des Elefanten im Querschnitt. So wird das kostbare Material optimal ausgenutzt. Auch die flache Form spricht für einen sorgsamen Umgang mit dem raren und teuren Rohstoff. Dies gilt als Charakteristikum früher Stücke bis ins 18. Jahrhundert.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Elfenbein

Measurements

3 x 4,4 x 4 cm

Keywords

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Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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