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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.190]

Ryusa-Manju-Netsuke mit verschiedenen Meerestieren

Ryusa-Manju-Netsuke mit verschiedenen Meerestieren (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)
"Ryusa-Manju-Netsuke mit verschiedenen Meerestieren

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

"Ryusa-Manju-Netsuke mit verschiedenen Meerestieren

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Das quadratische Netsuke ist durchbrochen gearbeitet und besteht aus sich überlappenden Leibern verschiedener, eng beieinander schwimmender Fische, darunter ein Oktopus, ein Kalmar, eine Scholle, der berühmte Kugelfisch (fugu ) und weitere Salzwasserfische. Wie in einem Fangnetz dicht beisammen gedrängt, bilden die Tiere durch ihre Körper selbst ein Netz. Die Meeresbewohner sind mithilfe feiner, dunkel eingefärbter Gravuren detailreich akzentuiert und die Augen einiger Fische sind mittels eingelegten, gefärbten Horns besonders hervorgehoben. Dieses Exponat ist ein schönes Beispiel für die angestrebte Ansicht eines Netsuke von sechs Seiten (siehe weitere Abb. links). Verso befindet sich auf einer hochrechteckigen Fläche die Signatur des Schnitzers und weitere Zeichen in roter Schrift. Daneben liegen die gleich großen, röhrenförmigen Himotōshi. Der Grundtypus dieses Netsuke ist die bereits erwähnte Manjū-Form (siehe auch Inv. Nr. XI 377, S. 28–29 im Katalog). Diese fein durchbrochen gearbeitete Variante nennt man Ryūsa-Netsuke oder o-ryūsa-manjū. Sie wurde im 18. Jahrhundert von einem Meister namens Ryūsa in Edo, dem heutigen Tokio, entwickelt. Diese besonders aufwendige Art der Netsukeschnitzerei wurde von vielen Künstlern aufgegriffen und ihr Stil allein lässt deshalb keine Rückschlüsse auf den Schnitzer zu. In der Sammlung Schunck finden sich weitere feine und detailreiche Beispiele wie eine Niō-Wächterfigur auf einem Lotosblatt (Inv. Nr. XI 387) oder die Darstellung filigraner Päonien-Blüten (Inv. Nr. XI 200). Erneut handelt es sich um ein maritimes Motiv. Japan als Inselgruppe hat ganz natürlicherweise eine besondere Affinität zum Meer und zahlreiche Meerestiere sind Motiv für Netsuke (vgl. Inv. Nr. XI 179, S. 14–15 im Katalog) wie auch viele Erzählungen und Sagen, die im Zusammenhang mit dem Ozean stehen (vgl. Inv. Nr. XI 186 und XI 461, S. 16–17 und 34–35 im Katalog) gerne als Grundlage für Netsukethemen genutzt wurden. Das Meer ist für die Fischer ihr Ernährer, birgt aber gleichzeitig Gefahr für Leib und Leben derer, die von und bei ihm leben. Fisch ist wie Reis ein Grundnahrungsmittel in Japan und hat allein deshalb bereits eine besondere Stellung. Mit einigen Fischen wird zudem eine spezielle Symbolik verknüpft, wie zum Beispiel mit dem Karpfen, der für Kraft und Stärke steht, oder dem tai, eine Art Meerbrasse, der als besonders edler Fisch gilt und ein Attribut des Glücksgotts Ebisu ist. Zudem verheißen Meerbrasse und Languste Glück zu Neujahr. Erst im 19. Jahrhundert wurden Gruppen mehrerer Personen oder Tiere, wie beispielsweise alle zwölf Tierkreise, gemeinsam in einem Netsuke wiedergegeben. Dies unterstreicht die Datierung des Objekts in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Elfenbein und Horn

Measurements

2 x 4,2 x 4,2 cm

Keywords

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Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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