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Stadtmuseum Simeonstift Trier [XI.186]

Netsuke eines Affen auf einem großen Wels, den er mit einer Kalebasse bezwingen will (hyotan namazu)

Netsuke eines Affen auf einem großen Wels, den er mit einer Kalebasse bezwingen will (hyotan namazu) (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)
"Netsuke eines Affen auf einem großen Wels, den er mit einer Kalebasse bezwingen will (hyotan namazu)

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

"Netsuke eines Affen auf einem großen Wels, den er mit einer Kalebasse bezwingen will (hyotan namazu)

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Auf einem großen Wels mit langen Barthaaren liegt ein Affe. In seinem linken Arm hält er einen Flaschenkürbis umklammert. Die Augen der Tiere sind aus eingelegtem Horn. Auf die Details wie das Fell des Affen und die Flossen des Fischs wurde in feiner Schnitzarbeit Rücksicht genommen. Unter dem Bauch des Welses liegt die Signatur. Die Himotōshi auf der Unterseite sind von unterschiedlicher Größe, wohl um den Knoten der Kordel unterzubringen. Diese Darstellung ist eine Parodie auf die Shintō-Sage des Namazu (wörtlich »Wels«) und zugleich ein zen-buddhistisches Wortspiel. Namazu ist gemäß der Legende ein riesiger Wels, der unter den japanischen Inseln lebt. Jedes Mal, wenn er sich bewegt, bebt die Erde. Mit seinen Barthaaren verursacht er kleine und mit seiner Schwanzflosse große Beben. Nur der Shintō-Gott Kadori Myōjin kann ihn mittels seines in einen Kürbis verwandelten Schwertes beruhigen, wenn er diesen an den Kopf des Fisches legt (vgl. Inv. Nr. XI 187). Der Shintōismus ist der Volksglaube Japans. Er hat einen engen Bezug zur Natur und in seinem Pantheon tummeln sich der Überlieferung nach »unzählbar viele« Götter. Da die Grenzen zwischen den Glaubensrichtungen in Japan nicht so stark ausgeprägt sind wie in Europa, verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte viele Gottheiten aus dem Shintōismus mit Figuren aus anderen Religionen. Die Gottheiten des Shintōismus, die kami, ihre Legenden und auch viele Tiere, wie Fuchs, Hirsch, Ochse oder auch der Affe, welche an bestimmten Schreinen als die Boten der Götter gelten, spielten eine große Rolle im Motivkanon der Netsuke. Das gezeigte Wortspiel hyōtan namazu ist eine zum Nachdenken und zur Meditation anregende und möglicherweise auch zur Erkenntnis führende Frage des Zen-Buddhismus: Wie einen glitschigen Wels (namazu ) mit einer glatten Flaschenkürbis-Kalebasse (hyōtan ) fangen? Es stellt ein sprichwörtlich unmögliches Unterfangen dar. Ab dem 18. Jahrhundert wurden Abbildungen dieses Motivs gerne als Talisman getragen. Und nach dem großen Erdbeben von Edo 1855 stieg die Nachfrage nach Darstellungen des Erdbebenfisches als abwehrender Glücksbringer. Für die Netsuke-Schnitzer waren Parodien von bekannten Motiven eine beliebtes Stilmittel. Generell ist Humor ist eine häufig auftretende Komponente der Komposition eines Netsuke. Die Verulkung macht weder vor historischen Figuren noch vor Göttern halt. Das Motiv des hyōtan namazu findet sich auch in einer Sammlung humoristischer Bilder von Glücksgöttern und anderen Figuren des Volksglaubens, den ōtsu-e. Ebenso wurden Wortspiele und vergleichbare anspruchsvolle Anspielungen als Netsuke- Motiv genutzt um das Bildungsniveau ihres Trägers zur Schau zu stellen. Im 19. Jahrhundert fand auch der Humor der einfachen Leute Eingang in das Repertoire der Schnitzer.

(Der Text von Diana Lamprecht M.A. ist entnommen aus der Broschüre "Götter und Geister am Gürtel. Netsuke aus der Sammlung Dr. Martin Schunck, Museumssammlung im Blickpunkt. Band 2, Stadtmuseum Simeonstift Trier, 2015)

Material/Technique

Buchsbaum und Horn

Measurements

2,2 x 3,3 x 6,7 cm

Keywords

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Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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