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Stadtmuseum Simeonstift Trier [VI.38]

Bücher- oder Vitrinenschrank

Bücher- oder Vitrinenschrank (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-P)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-P)

Description

Der Korpus dieses zweitürigen Bücher- oder Vitrinenschranks ist aus Nadelholz und mit einem Schälfurnier aus Mahagoni furniert. Sein hoher Sockel ist mit einer Scheinschublade versehen und schließt mit einer tiefen Hohlkehle, dem sogenannten „Schneepflug“, nach oben hin ab. Auf quaderförmigen Füßen und darüberstehenden hohen Postamenten erheben sich vor den beiden vorderen Ecken des Korpus zwei Dreiviertelsäulen, die ein vorkragendes Gebälk mit kräftigem Zahnschnitt, auch „Kälberzähne“ genannt, tragen. Ihre Kapitelle sind mit Akanthusblättern aus geprägtem Zinnblech belegt, die mit sogenanntem Streichgold vergoldet sind. Die Säulen flankieren die beiden verglasten Türen. Die Glasflächen sind nicht durchlaufend, sondern setzen sich jeweils aus drei Scheiben zusammen, die in Holzleisten eingesetzt sind. Nach oben hin schließt das Möbel mit einem flachen Dreiecksgiebel und einer darübersitzenden geraden Abschlussplatte ab. Die Schlüsselbuchsen der Scheinschublade und der beiden Türen sind mit Bein ausgefüllt. Das Innere ist mit Einlegeböden eingerichtet. Dieser Bücher- oder Vitrinenschrank ist vermutlich in Berlin entstanden. Ein Gemälde des Berliner Malers Eduard Gaertner (1801–1877) aus dem Jahr 1843 zeigt das Wohnzimmer des Schlossermeisters Hauschild in der Stralauer Straße in Berlin. An der rechten Seite ist ein zweitüriger verglaster Schrank zu erkennen, der sehr große Ähnlichkeiten mit dem aus dem Bestand des Stadtmuseums Simeonstift besitzt. Anscheinend ebenfalls mit Mahagoni furniert, steht er auf quaderförmigen Füßen und hat einen hohen Sockel, der in einer tiefen Hohlkehle endet. Die verglasten Türen sind von zwei Säulen mit geschnitzten Kapitellen flankiert und tragen ein Gebälk mit Zahnschnitt. Der obere Abschluss besteht ebenfalls aus einem flachen Giebel. Auf der geraden Abschlussplatte darüber befindet sich zusätzlich noch ein zur Mitte hin gestufter Aufsatz, der als Präsentationsmöglichkeit für zwei Blumenvasen und eine Lampe genutzt wird. Bis auf diesen Aufsatz und die geschnitzten Kapitelle sind die beiden Möbel in ihrer Gestaltung fast identisch. Das unterschiedliche Material, einerseits geschnitztes Holz, andererseits aufgenagelte Zinnbleche, aus dem die Kapitelle der beiden Schränke gearbeitet sind, ist jedoch kein Grund, sie verschieden zu verorten. So besitzt auch eine um 1830 datierte Berliner Mahagonivitrine des Kreismuseums Neuruppin an ihren Säulen Kapitelle, die sich gleich jener vom Schrank des Stadtmuseums Simeonstift aus einzelnen Blättern aus Metallguss zusammensetzen. Ein Vergleich lässt vermuten, dass sie aus einer Werkstatt stammen müssen, da sie nahezu identisch sind. Diese Art der Dekoration stellte eine preiswerte Variante zu den in aufwendiger Handarbeit geschnitzten Kapitellen dar. In Blei- und Zinkguss gefertigte Dekorationselemente wurden als Ersatz zum teuren Bronzeguss und aufwendigen und deshalb kostspieligen handwerklichen Techniken genommen. Auf dem Gemälde Gaertners ist zu erkennen, dass die Familie Hauschild das Möbel nicht als Bücherschrank nutzte, sondern als Vitrine, in der wertvolle Dekorations- und Erinnerungsstücke ausgestellt wurden. Es ist anzunehmen, dass auch das Möbel des Stadtmuseums Simeonstift ursprünglich um 1830 in ähnlicher Weise in einem Berliner Haushalt gestanden hat.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Nadelholz, Mahagoni, Glas, Zinnblech, Bein

Measurements

H 188 cm, B 119.5 cm, T 47.5 cm

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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