museum-digitalrheinland-pfalz

Close
Close
Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.72a und d]

Zwei von sechs Stühlen mit figürlichen Darstellungen

Zwei von sechs Stühlen mit figürlichen Darstellungen (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)
"Zwei von sechs Stühlen mit figürlichen Darstellungen

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

"Zwei von sechs Stühlen mit figürlichen Darstellungen

Provenance/Rights: 
Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Die Möbelsammlung besitzt eine Serie von sechs Stühlen gleicher Art, von denen zwei ausgestellt werden. Die Stühle sind in Pfostenbauweise gefertigt, ein über die Sitzrahmen geführtes Geflecht bildet die an den Seiten leicht gerundeten Sitze. Zur Stabilisierung sind die vier Beine zusätzlich durch gedrechselte Stäbe verbunden, und zwar an der Rückseite mit einem und an der Front und den Seiten mit je zwei. Es sind hinten und an den Seiten einfache Rundstäbe, wogegen jene an der Front mit einer mittleren Schwellung und zwei seitlichen Nodi aufwendiger gedrechselt sind. Auch die vorderen Beine sind gedrechselt, während die hinteren gebogen sind und eine kantige Form aufweisen. Sie setzen sich als Stützen für die trapezförmig verlaufende Rückenlehne fort. Ihr Schulterbrett ist mit einer zentralen, liegenden Raute mit unterschiedlichen, geschnitzten Motiven dekoriert, dort finden sich stilisierte Blüten, ein Blumenstrauß, eine antikisierende Vase und Adler. Zwischen diesem und dem unteren Quersteg ist eine Zierversprossung eingesetzt. In deren Zentrum ist ein Medaillon mit einer à jour geschnitzten Darstellung zu sehen. Hier sind Figuren bei den verschiedensten Tätigkeiten dargestellt: eine Winzerin bei der Lese, eine junge Frau beim Spinnen, ein Jüngling beim Flötenspiel, ein Mann mittleren Alters bei seiner Rast, ein Alter sich an einem Feuer aufwärmend und ein Chinese bei der Rast in einer Blätterlaube. Die beiden hier vorgestellten Stühle zeigen zum einen den Mann mittleren Alters, zum anderen den Chinesen bei seiner Rast. Ersterer ist mit Culotte, Veste, Justeaucorps und breitkrempigem Hut in der Tracht des 18. Jahrhunderts gekleidet. Er sitzt auf einem Hocker im Freien und stützt seine Linke auf einen Wanderstock, während er in der erhobenen rechten Hand etwas hält, das leider nicht genau ausgearbeitet und daher auch nicht klar zu erkennen ist. Es könnte ein Becher sein, aus dem er während seiner Rast einen Trunk zu sich nimmt.
Das zentrale Motiv des Schulterbretts über ihm ist ein Adler mit weit ausgebreiteten Schwingen unter einer baldachinartigen Draperie. Der zweite Stuhl zeigt einen unter einer Blätterlaube auf dem Boden hockenden Mann in chinesisch anmutender Kleidung, der auf seinem Kopf einen Kegelhut trägt. In seiner linken Hand hält er eine Flasche oder Geldbeutel, während er mit der erhobenen Rechten vermutlich eine Schriftrolle umfasst. Hier ist auf dem Schulterbrett ebenfalls ein Adler mit weit ausgebreiteten Schwingen dargestellt.
Die Stühle gehen auf ein Modell zurück, das sich gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich großer Beliebtheit erfreute und in vielen Variationen nicht nur als Stuhl, sondern auch als Fauteuil angeboten wurde. Typisch für diesen Typus ist die Gestaltung der Rückenlehne mit der zwischen Schulterbrett und unterer Traverse eingesetzten geschnitzten Zierversprossung, in deren Zentrum sich ein à jour gearbeitetes Flachrelief befindet. Dieses kann wie bei den beiden vorliegenden Stühlen eine figürliche Szene sein, aber auch ein Ornament oder Ähnliches. Offensichtlich wurde dieses Stuhlmodell je nach Geschmack und Geldbeutel in mehr oder weniger aufwendiger Form gefertigt. Es finden sich Exemplare aus unterschiedlichen Holzarten wie z. B. Nuss- oder Kirschbaum. Die Beine können verschiedenste Formen aufweisen oder wie hier als gedrechselte Stäbe gestaltet sein. Ebenso finden sich Stühle mit einfachen geflochtenen oder mit Brettsitzen, aber auch mit aufwendigen Polstersitzen mit Bezügen aus kostbaren Stoffen. Ein schönes Beispiel für die Luxusversion ist ein Fauteuil aus der Zeit um 1800 im Musée des Arts décoratifs in Paris. In seinen Umrissformen orientiert er sich an der Stuhlform des griechischen Klismos und ist aus kostbarem Mahagoni mit Elfenbeineinlagen und mit gepolstertem Sitz gearbeitet. Seine Rückenlehne besitzt den hier beschriebenen Aufbau: Zwischen Schulterbrett und Querstrebe ist eine Zierversprossung mit aufwendig geschnitztem Ornament gesetzt. Mit ihren einfachen Formen und den geflochtenen Sitzen gehören unsere Stühle zu den preiswerteren Varianten dieses Typus und werden sicherlich in der französischen Provinz entstanden sein. Eine mögliche Provenienz wäre das Elsass. Das Musée de la Folie Marco in Barr, Département Bas-Rhin, besitzt in seiner Sammlung einen Stuhl, der den beiden aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift in der Ausführung mit geflochtenem Sitz und gedrechselten vorderen Beinen sowie in der Verstrebung der Beine mit Stäben sehr verwandt ist. Auch wenn die Zierversprossung dort eine geschnitzte Palmette zeigt, ist eine Herkunft der Stühle des Trierer Museums aus dem Elsass gut denkbar.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Kirschbaum, Rohrgeflecht

Measurements

H 87.5 cm, B 44 cm, T 43 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

Contact the institution

[Last update: ]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.