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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.39]

Dielenschrank mit mehrteiliger Vasenbekrönung

Dielenschrank mit mehrteiliger Vasenbekrönung (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der zweitürige Dielenschrank mit seinem strengen, glatten Korpus ist aus massivem Nussbaum gearbeitet und steht auf sechs geschnitzten Füßen in Form von Akanthusblattkelchen. Er besitzt einen dreiteiligen Aufbau. Über einem flachen Sockel mit zwei Schubladen erhebt sich der Korpus, dessen Ecken abgeschrägt sind (Pans coupés). Die an ein Mittelbrett anschlagenden Türen sind wie die Schrankseiten in Rahmen- Füllung-Konstruktion gearbeitet. Der obere Abschluss des Möbels ist streng gerade gehalten und wird von drei geschnitzten Vasen aus massivem Nussbaum bekrönt, zu denen, vom Abschluss ausgehend, jeweils eine Akanthusvolute überleitet. Die Bekrönung ist nicht original; es handelt sich um eine Zweitverwendung. Die Vasen sind zum einen nicht aus demselben Nussbaum, stilistisch früher zu datieren und nur an der Vorderseite ausgeschnitzt, d. h. sie sind an der Rückseite unbearbeitet glatt belassen, sodass sie nicht rundansichtig sind. Je nach Betrachtungswinkel erweist sich dies als störend. Es ist zu vermuten, dass die bekrönenden Vasen von einem wandfesten Objekt, z B. einem Spiegel, stammen. Die drei überleitenden Akanthusvoluten wurden bei dieser Maßnahme neu angefertigt und gehören ebenfalls nicht originär zum Schrank. Allerdings weisen Spuren auf der Deckplatte und am oberen Abschluss darauf hin, dass das Möbel ursprünglich ebenfalls eine – wie auch immer gestaltete – Bekrönung besessen hat. Der Schrankdekor besitzt ein rein klassizistisches Formenrepertoire wie Profile mit Riffelungen, Perl-, Perlstab-, und Münzbänder, Flechtbänder mit Blüten, Akanthusrosetten in runder und eckiger Form, Akanthusranken, Lorbeerfestons, Eierstäbe und Diamantquader. Während die drei Füllungen der Seiten als Spiegel mit quadratischen Diamantquadern in den Ecken gestaltet sind, sind die Türen aufwendiger verziert. Zwei fast quadratische Füllungen mit Riffeldekor rahmen oben und unten eine kleinere, querrechteckige. Diese ist mit einem prächtig geschnitzten Akanthusrankenmotiv gefüllt. Die strengen, glatten Formen und der konsequent verwendete klassizistische Dekor erlauben es, das Möbel in das späte 18. Jahrhundert zu datieren. Leider geben die Inventare keine Auskunft über die Provenienz des Möbels. Lediglich ein Foto des Jahres 1930 dokumentiert, dass es sich zu diesem Zeitpunkt bereits zusammen mit der heutigen Bekrönung im Besitz des Museums befunden hat. Die strengen Formen des Möbels lassen deutlich den Einfluss Frankreichs erkennen. Auch der Dekor gibt einen Hinweis auf seine Herkunft. Die antikisierenden Formen finden sich im Schmuck des Saals der Beletage von Schloss Monaise wieder. Von 1779 bis 1783 wurde es für den Trierer Domdechanten und späteren Speyerer Fürstbischof Philipp Franz Wilderich Nepomuk von Walderdorff (1739–1810) als Sommerresidenz an der Mosel auf dem Gebiet des heutigen Trierer Stadtteils Euren errichtet.4 Architekt war der Lothringer François Ignace Mangin (1742–1809). Dieses Lustschloss wurde nach dem Vorbild des Petit Trianon in den Gärten von Versailles errichtet. Im Vergleich des Schrankes mit der Dekoration des Saals der Beletage von Schloss Monaise zeigen sich evidente Ähnlichkeiten. Das Akanthusrankenmotiv der zentralen Türfüllungen findet sich in leicht veränderter Form in den stuckierten Medaillonreliefs der Wanddekoration sowie in jenen der Füllungen der Türen der Wandschränke und Eingänge zu diesem Raum. Wie beim Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums sind auch dort die Türfüllungen geschnitzt. Dieses Akanthusrankenmotiv war somit eine bekannte Form für Trier. Daher ist es durchaus möglich, dass der Schrank in Trier gefertigt wurde. Es ist zu vermuten, dass François Ignace Mangin dieses Motiv aus Frankreich mitgebracht hat. So besitzt das Musée des Arts décoratifs in Paris einen zweitürigen Dielenschrank aus Nussbaum, der stilistisch früher anzusetzen ist als der des Stadtmuseums Simeonstift und 1785 datiert wird. In den mittleren Füllungen der Schranktüren findet sich auch dort die Akanthusranke in geschnitzter Form wieder. Ursprünglich stammt dieser Dekor aus dem Repertoire des antiken Zierrats. Die Wiederentdeckung der Antike und die Auseinandersetzung mit ihren Kunstwerken führten zu einer Übernahme des Formenrepertoires dieser Epoche, das an unserem Schrank im Überfluss verwendet wurde.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Nussbaum, Messing, Eisen

Measurements

H 228 cm, H mit Bekrönung 264 cm, B 173 cm, T 59 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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