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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.274]

Dielenschrank mit Marketerie

Dielenschrank mit Marketerie (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der zweitürige Dielenschrank mit aufwendigen Marketerien besitzt einen dreigeschossigen Aufbau. Auf vier kurzen, kantigen Füßen, die sich nach unten hin verjüngen, ruht der Sockel mit zwei Schubladen. Der zweitürige Korpus wird von einem geraden, profilierten Aufsatz bekrönt. Der Sockel wird von zwei Horizontalleisten eingefasst. Die breite untere ist vorkragend, besitzt ein eingeschwungenes Profil und ist mit geflammter Wurzelmaser furniert. Darauf sitzt die zweite, sie ist schmal, profiliert und aus ebonisiertem Birnbaum gearbeitet. Darüber befindet sich das gerade gestaltete Schubladenfach mit seinen beiden Schüben. Der Sockel schließt mit einem schräg nach oben vorspringendem Gesims aus Eiche ab. Der sich darüber erhebende, strenge, gerade Schrankkorpus hat zwei glatte, aufwendig marketierte Türen. Jede ist zusammengefügt aus zwei verleimten Mittelbrettern mit Hirnleisten. Die rechte Tür besitzt zusätzlich eine 8,5 cm breite Schlagleiste. Den oberen Abschluss des Möbels bildet ein gerader Aufsatz mit einem Fries und einem mehrfach profilierten, stark vorkragenden Gesims. Der Schrank ist mit einer aufwendigen Marketerie aus 3 mm starkem Sägefurnier dekoriert. Der Sockel ist mit Wurzelmaser furniert und besitzt eine Marketerie in geometrischen Formen: Querrechteckige Felder mit Nussbaumfurnier sind von einem Band aus Wurzelmaser mit umgebenden Buchsbaumfäden gerahmt. In ihrer Mitte sitzen Querovale mit Wurzelmaser-Marketerie, die die schlichten Schlüsselbuchsen rahmen. Die Marketerie der Türen zeigt ein rundbogiges Arkadenmotiv aus geflammtem Wurzelmaser. Die Kapitelle der Säulenvorlagen und der Schlussstein des Arkadenbogens sind in Buchsbaum gearbeitet und mit einem Umriss aus Nußbaum- Faden-Marketerie konturiert. Die Struktur der Schlusssteine ist graviert. Der Innenraum der Arkaden wird jeweils durch Faden-Marketerien im Wechsel von Nuss- und Buchsbaum in vier Felder gegliedert. In diese sind zwei und eine halbe Rosette aus Wurzelmaser gesetzt, in deren Zentrum jeweils ein achtstrahliger Stern aus hellem Palisander sitzt. Der äußere Rahmen in geflammter Wurzelmaser zeigt an allen Seiten mittig gesetzte ovale Felder aus dunklerem, geflammtem Wurzelmaser und in den Ecken in derselben Farbstellung ein herzförmiges Motiv. Die Schlagleiste der rechten Tür ist mit Wurzelmaser furniert und wird in der Mitte durch einen Rahmen aus Buchsbaumfaden akzentuiert. Die Schrankseiten sind mit denselben Holzarten marketiert. Sie sind in zwei hochrechteckige Felder gegliedert, in deren Zentrum auf geflammter Wurzelmaser eine Raute steht, in deren Mitte eine zweite, kleinere eingearbeitet ist. Das stark vorkragende, gerade Kranzgesims ist mit einem glatten Fries aus Nussbaum und Wurzelmaser furniert. Über diesem erhebt sich ein mehrstufiges Profil aus Nussbaum-, Wurzelmaser- und ebonisierten Birnbaumleisten. Die aufwendigen Marketerien, vor allem jene an den beiden Türen, weisen auf Möbel holländischer Provenienz. So findet sich das Motiv der Rosette und der in die Ecken der Marketerie gesetzten Herzform an niederländischen Kabinettschränken des späten 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts wieder, die man wegen ihres Dekors auch als sterkast (Sternenschrank) bezeichnet. Ein Möbel des Rijksmuseums Amsterdam, das in die Zeit um 1690–1710 datiert wird, und eines im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigen in ihren Dekorationen eindrucksvolle Gemeinsamkeiten mit dem Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums. Diese Schränke mit ebenen Flächen und jeweils zwei großen, flachen Türen ruhen auf Untergestellen mit sechs bzw. vier verstrebten Beinen. Beide Möbel sind mit Intarsien aus kostbaren Hölzern und Materialien verziert, u. a. Palisander, Ebenholz, Elfenbein und Perlmutter. Die Korpusse dieser Möbel sind von den gleichen strengen, geraden Formen geprägt, die auch den Charakter des hier besprochenen Schrankes bestimmen. Paul van Duin konnte in seinen Untersuchungen zu diesen Kabinetten nachweisen, dass bei der Mehrzahl die Türen aus Eiche sind und sie in derselben Weise aus Mittelbrettern mit Hirnleisten konstruiert sind wie die des Möbels aus der Trierer Sammlung. Die Rosette ist ein häufig wiederkehrendes Dekorationsmotiv der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts und fand ihre Verwendung nicht nur in der Möbelkunst, sondern z. B. auch auf holländischen Fliesen, den sogenannten Delfter Kacheln. Die hintere Wand der Nonnenempore in der 1714–1716 errichteten Welschnonnenkirche in Trier wurde mit solchen Kacheln verkleidet, die diese Rosette in weiß-blauer Farbstellung zeigen. Mit seinen strengen Formen besitzt der große, sehr repräsentative Schrank des Stadtmuseums Stilelemente des späten 18. Jahrhunderts. So sind die kantigen, sich leicht nach unten hin verjüngenden Füße und die ebonisierten Leisten typische Merkmale dieser Zeit, sodass man von einer Entstehung um 1780 bis 1800 ausgehen muss. Da aber das Motiv der Rosette nur an holländischen Möbeln der Zeit Ende des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts zu finden ist, steht zu vermuten, dass dieser Schrank in einem Gebiet entstand, das von niederländischen Einflüssen stark geprägt wurde und wo ältere Dekorationsformen noch tradiert wurden, wenn diese im Ursprungsland schon längst aufgegeben worden waren. So findet sich an einem zweitürigen Schrank aus Westfalen der Zeit um 1760–1770 exakt dieselbe Marketerie, hier aus Rosskastanienmaser und Ahorn, mit den in eine Arkade eingeschriebenen Rosetten wieder. Diese Faktoren sprechen für eine Provenienz unseres Schrankes aus einem eher provinziellen Raum. Gleichwohl muss der Schrank mit seinen aufwendigen Marketerien für einen wohlhabenden, vielleicht auch adeligen Auftraggeber gefertigt worden sein. Weiterhin verweist die Auswahl der für die Marketerien benutzten Hölzer (Nussbaum, Buchsbaum, Pflaume und Wurzelmaser) auf eine Region, in der die im späten 18. Jahrhundert so beliebten und kostspieligen Hölzer aus Übersee wie Palisander und Mahagoni wenig oder sehr selten Verwendung fanden und man daher auf einheimische Hölzer zurückgriff. Dieser Umstand weist auf eine Herkunft vom Niederrhein oder aus Westfalen hin.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Eiche, Nussbaum, Buchsbaum, ebonisierter Birnbaum, Eisen

Measurements

H 212 cm, B 203 cm, T 67 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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