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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.247]

Kommode mit aufgelegter, geschnitzter Dekoration

Kommode mit aufgelegter, geschnitzter Dekoration (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Die dreischübige Kommode mit ihrem geraden, strengen Eichenkorpus ruht auf kantigen, sich nach unten verjüngenden Beinen, in die an allen Seiten zwei Kanneluren geschnitzt sind. Der untere Abschluss wird von einer geraden, profilierten Leiste gebildet. Eine einfache, leicht überstehende Deckplatte aus Holz schließt das Möbel ab. Die Schubladenfronten sind mit aufgelegtem Schnitzwerk verziert. Jeweils drei, nicht miteinander verbundene Blütengirlanden sind an je zwei Ösen aufgehängt und umrahmen die beiden Handhaben sowie das zentrale Schlüsselschild in Schildform. Die Handhaben sind aus gegossenen, runden Bronzeblechen, die mit Eicheln und Blättern verziert sind und runde Zuggriffe haben. Die Kommode war ursprünglich farbig gefasst. Leider haben sich nur geringe Spuren von Lind- und Dunkelgrün unter den Beschlägen erhalten, sodass bei der 2014 erfolgten Restaurierung eine Rekonstruktion der Farbfassung nicht möglich war. Die Seiten erinnern in ihrer Gestalt an Rahmen-Füllung-Konstruktionen, sind aber geschnitzt. Auch ihr Dekor besteht aus aufgelegtem Schnitzwerk. Gerahmt von einem Perlstab sind in die Ecken stilisierte Blüten und in ihre Mitte an zwei Ösen hängende, geknitterte Draperien gesetzt.
Mit ihren strengen Formen und ihrem klassizistischen Schmuck ist die Kommode stilistisch in das Louis XVI. einzuordnen, und aufgrund der einfachen Dekorationstechnik des Schnitzwerks eher gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in die Zeit um 1780 bis 1800, zu datieren. Im Klassizismus findet sich das Motiv der an Ösen hängenden Girlanden nicht nur im geschnitzten Dekor von Möbeln wieder, sondern auch in der aufwendigeren Technik der Marketerie. Ein schönes Beispiel hierfür ist eine dreischübige Kommode des Stadtmuseums Simeonstift, deren Schubladenfronten in drei Felder gegliedert sind, die mit Nussbaumwurzel furniert und auf denen Blütengirlanden und Blattkartuschen in Buchsbaum und Pflaumenholz marketiert sind. Feine Gravuren, die mit farbigen Pasten gefüllt sind, setzen Akzente in den Dekor. Diese Art der gravierten Marketerie ist eine in Trier und Umgebung häufig verwendete Technik wie auch die kleine, radiärsymmetrische Blume eine beliebte Blütenform der Region ist. Die leicht gebauchte Front der Kommode, die kurzen, geschweiften, in Voluten endenden Beine und die geschweifte untere Abschlussleiste, die mit Rocailles, C- und S-Schwüngen verziert ist, weisen noch ältere Dekorformen der Zeit um 1760 bis 1770 auf. Dass dieselben Dekorationsmotive des Öfteren in verschiedenen Techniken ausgeführt wurden, beweist eine ehemals aus Trierer Besitz stammend Kommode, die durch eine Fotografie von 1927 überliefert ist. Auch hier ist der klassizistische Dekor geschnitzt und zeigt unter anderem an Ösen hängende Girlanden, Kanneluren und Flechtbänder. Die hier vorgestellte Kommode dokumentiert, dass auch die weniger vermögende, aber an aktuellen Einrichtungstrends interessierte Kundschaft nach dem damals modernen und beliebten klassizistischen Zierrat verlangte. Da man aufgrund eingeschränkter finanzieller Mittel auf Marketerien verzichten musste, wählte man die preiswertere Variante des Schnitzwerks.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Eiche, Nadelholz, Bronze, Eisen

Measurements

H 74 cm, B 122 cm, T 54.5 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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