museum-digitalrheinland-pfalz

Close
Close
Stadtmuseum Simeonstift Trier [VI.41]

Aufgsatzschreibschrank

Aufgsatzschreibschrank (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der dreigeschossige Schreibschrank steht auf vier kurzen, schlanken Volutenfüßen. Der Korpus ist aus Eiche und Nadelholz gearbeitet, mit Nussbaum furniert und marketiert. Das Möbel besteht aus einem in der Front geschweiften Kommodenunterteil mit drei Schubladen, dessen mittlere Partie zurückspringt und welches unten mit einer mehrfach profilierten Leiste abschließt. Das auf dem Kommodenteil befindliche Schreibpult hat eine schräge, mit einem flachen, konkaven Bogen abschließende Platte und bombierte vordere Ecken. Darüber erhebt sich über zwei nebeneinander angeordneten, flachen Schubladen der zweitürige Aufsatz, der mit einem geschweiften Bogen abschließt. Die Schlagleiste der rechten Tür ist aufgesetzt und endet oben und unten in freistehenden Voluten. Der Aufsatz besitzt abgeschrägte Ecken, denen Pilaster auf länglichen Basen vorgestellt sind. Ihre Kapitelle sind mit feinem Schnitzwerk verziert. Das gekehlte Gesims wird von einer profilierten Leiste abgeschlossen und mittig von einer freistehenden, geschnitzten Kartusche bekrönt. Diese wird gerahmt von Schnörkeln, S- und C-Schwüngen sowie Rocailles und zusätzlich hervorgehoben durch geschnitzte Blüten- und Blattranken in der Kehlung des Gesimses. Das Innere ist einfach ausgestattet. Das Schreibpult besitzt ein schlichtes Eingerichte aus sechs furnierten Schubladen mit Bandmarketerien und kleinen Knäufen aus Bronze. Die Schreibplatte wurde zu einem späteren Zeitpunkt, vielleicht in der Zeit des Biedermeier, ebonisiert. Hinter den beiden Türen des Aufsatzes finden sich einfache Fachböden. Die Marketerien sind als großflächige, rechteckige Füllungen aus gespiegelter Nussbaumwurzel gestaltet, die von Fadenmarketerien aus Buchsbaum und Mooreiche sowie einem Rahmen aus gefiedert gesetztem Nussbaum umgeben sind. An den Seitenflächen tritt Pflaume an die Stelle der Mooreiche in der Fadenmarketerie. Der Schreibschrank zeigt mit seiner zurückgenommenen, relativ strengen Gestalt, die aber noch keine klassizistischen Stilelemente aufweist, wie auch mit der eher geradlinigen, großflächigen Marketerie typische Charakteristika eines Möbels der Zeit um 1760/70. Im Bestand des Museums findet sich noch ein zweiter, fast identisch gearbeiteter Aufsatzschreibschrank. Etwas schlichter, ohne dekoratives Schnitzwerk gearbeitet, zeigt er denselben Aufbau aus dreischübigem Kommodenunterteil, hier auf gedrückten Kugelfüßen stehend, Schreibpult mit Schrägklappe sowie Aufsatz mit zwei nebeneinandergesetzten Schubladen und zwei Türen. Die Schreibplatte schließt allerdings gerade ab, während die begleitenden abgeschrägten, bombierten Ecken weniger ausladend und die Kapitelle der Pilaster mit einem einfacheren Schnitzwerk verziert sind. Der abschließende Aufsatzbogen ist etwas flacher gehalten und seine Kehlung ist weniger tief. Wie am ausgestellten Möbel wurde die Schlagleiste der rechten Aufsatztür mit Voluten versehen, und auch die Gestaltung von Furnier und Marketerien findet sich in gleicher Weise an beiden Schränken wieder. Die Gemeinsamkeiten sind so auffallend, dass man davon ausgehen kann, dass beide Schreibschränke, wenn nicht aus einer Werkstatt, so doch aus einer Gegend stammen. Vergleichbar große Ähnlichkeiten finden sich auch zwischen den beiden Schreibschränken und einem Damensekretär aus Museumsbesitz. Die Verarbeitung der Furniere und Marketerien sind hier abermals gleich, und eine interessante Gemeinsamkeit verbindet den hier besprochenen Sekretär und den kleinen Schreitisch: Beide besitzen rechts und links der Schreibklappe fast identisch ausgeformte bombierte Ecken. Dieses Möbel muss daher ebenfalls derselben Provenienz zugeordnet werden. Als Produktionsort dreier so ähnlicher, aufwendiger Möbel kann Trier angesehen werden, der einzige Ort mit ausreichend handwerklichem Potenzial in der Region. Der Typus des dreiteiligen Schreibschranks, bestehend aus Kommode, einem Schreibpult mit schräger Klappe und einem zweitürigen Aufsatz mit einer unteren Schubfachzone, findet sich auch bei Mainzer Möbeln. Allerdings wurde dort die Aufteilung mit der Schubfachzone unterhalb der Türen schon in den 40er-Jahren des 18. Jahrhunderts aufgegeben, während unsere beiden Schreibmöbel späteren Datums (um 1760/70) sind. Auch kann für die Trierer Beispiele eine wesentlich zurückhaltendere Formensprache konstatiert werden. So sind die Mainzer Sekretäre mit aufwendigem, vollplastischem Dekor verziert. Vor allem raumgreifende, ein- und ausschwingende Voluten verunklären an Mainzer Möbeln den Umriss. Aber auch die Marketerien sind an diesen weitaus prachtvoller und begnügen sich nicht mit einem die zentralen Felder mit Nussbaumwurzel umgebenden Rahmen.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Nadelholz, Eiche, Nussbaum, Buchsbaum, Nussbaumwurzel, Mooreiche, Pflaume,

Measurements

H 216.5 cm, B 122 cm, T 67 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der...

Contact the institution

[Last update: ]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.