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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.100]

Zweiteiliger Aufsatzschreibtisch

Zweiteiliger Aufsatzschreibtisch (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der zweiteilige Aufsatzschreibschrank besteht aus einer zweischübigen Kommode mit abgeschrägter Schreibplatte und einem zweitürigen Aufsatz. Dieser ist als selbstständiges Schränkchen in Pfostenbauweise mit kurzen, geschwungenen Beinen gestaltet. Diese sind im unteren Bereich mit einem geschnitzten Akanthusblattmotiv dekoriert und enden in Voluten, welche zu einem unbekannten Zeitpunkt abgesägt wurden. Die untere Zarge des Aufsatzes ist in geschweiften S-Schwüngen gestaltet. Die Pfosten sind schräg gestellt, abgerundet und mit geschnitzten, geschwungenen Profilen gerahmt. Zur Verzierung sind die hochrechteckigen Pfostenfüllungen oben und unten mit hängenden bzw. aufsteigenden Blüten und Blättern beschnitzt. Die Türen sind in Rahmen- Füllung-Konstruktion gearbeitet und gegenständig an ein Mittelbrett angeschlagen. Auch hier sind die Profile und Ornamente aus der Holzplatte ausgeschnitzt und nicht aufgelegt. Analog zu den Seitenpfosten ist auch das Mittelbrett mit einer hängenden Blatt-Blüten-Girlande und einem aufsteigenden Blattmotiv verziert. Das abschließende Gesims ist geschwungen mit einem vorkragenden, gekehlten Profil und mit einer zentralen geschnitzten Kartusche dekoriert. Sie wurde im oberen Bereich beschnitten, sodass nur noch eine von Blättern gerahmte Rose in der Kehlung erhalten war. Bei der Restaurierung 2014 wurde das im Ansatz noch erhaltene obere Blütenblatt der Rose nachgearbeitet. Auf eine weitere Ergänzung der Kartusche wurde verzichtet. Auch die Seitenwände sind in Rahmen-Füllung-Konstruktion gearbeitet. Die Einlegeböden im Inneren des Aufsatzes sind aus altem Holz neu gearbeitet. Das Unterteil besitzt wie der Aufsatz kurze, geschwungene Beine, die in Voluten enden und ebenfalls beschnitten wurden. Konstruktion und Ornamentik des Unterteils entsprechen dem Aufsatz. Die Schreibkommode ist gleichfalls in Pfostenkonstruktion gebaut. Auch hier sind die vorderen Pfosten schräg gestellt, abgerundet und mit ausgeschnitzten, geschwungenen Profilen gerahmt. Profilierte S-Schwünge zieren die abschließende Zarge, und die Seiten sind in Rahmen-Füllung-Konstruktion gearbeitet. Allerdings sind die Füllungen im Kommodenbereich zusätzlich mit einer profilierten Leiste gerahmt. Die beiden Schubladenfronten sind mit geschnitzten, geschwungenen Rahmen und mit Blüten dekoriert, während die Ladenseiten und -böden erneuert sind.
Die Zuggriffe der Bronzehandhaben sind erneuert. Die obere Schublade besitzt noch das originale Eisenschloss, das der unteren Schublade ist verloren. Auch die schräg gestellte Schreibklappe ist in Rahmen-Füllung- Konstruktion gebaut. Die geschwungenen Verzierungen in querovaler, geschweifter Form sind gleichfalls ausgeschnitzt. Das Eingerichte des Schreibfaches ist aus Eiche und besteht aus einem offenen mittleren Fach, rechts und links flankiert von je einem Gestell, in dem sich vermutlich ursprünglich zwei übereinanderliegende Schubladen befanden. Von diesen ist heute nur noch links die obere und rechts die untere erhalten. Durch ein geschwungenes Brett wird das Eingerichte abgedeckt. Die beiden kleinen Schübe besitzen noch ihre originalen Schlösser aus Eisen. Runde bronzene Scheiben dienen als Schlüsselschilde. Sowohl die Schreibplatte als auch die Türen sind mit über die gesamte Breite bzw. Höhe reichenden, neuen Stangenscharnieren aus Messing angeschlagen. Eine alte Fotografie aus dem Jahre 1930 aus dem Bestand des Museums zeigt die Aufstellung des Möbels in der Präsentation von 1926. Dort ist zu erkennen, dass die Kürzungen der Beine und die Beschneidung der bekrönenden Kartusche des Aufsatzes und der Schreibkommode schon zu dieser Zeit vorgenommen worden waren. Es ist anzunehmen, dass der Aufsatzsekretär bereits in diesem Zustand in den Besitz des Museums gelangt ist. Im Bestand des Museums findet sich eine Pfostentruhe mit zwei Schubladen im Bodenbereich. An den hier quer gelagerten Füllungen der Front besitzt sie dasselbe Schmuckwerk wie es am Aufsatzsekretär zu finden ist. Auch die Zarge ist in gleicher Weise in geschweiften S-Schwüngen gestaltet. Die Dekoration zeigt die für die Mosel typischen Zierformen des Spätbarock und ist dem bürgerlichen bzw. großbäuerlichen Bereich zuzuordnen. Es ist daher anzunehmen, dass beide Möbel, wenn nicht aus einer Werkstatt, so doch auf jeden Fall aus derselben Region stammen. Auf dem Foto von 1930 wird mit einem Hinweisschild der Raum, in dem das Möbel aufgestellt ist, als „Bitburg-Wittlich (Mitteleifel)“ bezeichnet und so die Provenienz der dort präsentierten Objekte näher angegeben. Eine sehr ähnliche, jedoch bewegtere Dekoration findet sich an zwei luxemburgischen Takenschränken aus der Gegend von Vianden, die in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts datiert werden. Damit ist ein weiterer Hinweis auf die Zuordnung des Möbels in die Region Mosel-Eifel gegeben.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Eiche

Measurements

H 115.5 cm, B 134 cm, T 53 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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