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Stadtmuseum Simeonstift Trier [VI.6]

Eckschrank (Encoignure) mit dem Wappen des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Walderdorff (1701-1768)

Eckschrank (Encoignure) mit dem Wappen des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Walderdorff (1701-1768) (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-P)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-P)

Description

Der halbhohe, zweitürige Eckschrank ruht auf drei Beinen, die beiden vorderen sind geschweift. Der Korpus ist weiß gefasst und besitzt eine geschweifte Silhouette. Die beiden Türen sind mit einem aufgelegten Décor à la Reine aus feinen vergoldeten Holzstäben und sternförmigen Blüten in den Kreuzungspunkten verziert. Im Zentrum jedes Gitterfeldes sitzt eine kleine vergoldete Blume. Den Mittelpunkt der Türen bilden die in Rot und Gold gefassten Insignien und das Wappen des Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Walderdorff. Die Türen wurden bei einer frühen Restaurierung auf der Rückseite mittels einer groben Parkettierung stabilisiert. Eine dunkelgraue Marmorplatte neueren Datums, die der Silhouette des Korpus folgt, deckt den Eckschrank ab. Zur Datierung des Möbels kann das Wappen auf den Türen zur Hilfe genommen werden. Unter dem von zwei Kreuzen bekrönten Kurhut ist das Wappen des Kurfürsten, begleitet von gekreuztem Schwert und Krummstab als Zeichen der höheren Gerichtsbarkeit und der geistigen Macht, dargestellt. Der Wappenschild ist viergeteilt und zeigt im ersten und dritten Viertel das rote Kreuz des Erzbistums Trier, im zweiten das Lamm Gottes mit der Kreuzfahne (Abtei Prüm) und im letzten die Querbalken von Niederisenburg. Der bekrönte Herzschild trägt den Löwen, das Stammwappen der Familie von Walderdorff. Da hier das Wappen des Bistums Worms fehlt, muss das Möbel vor seiner Wahl zum Bischof von Worms im Juli 1763, also in der Zeit zwischen 1756 und 1763, entstanden sein. In seiner Form orientiert sich das Möbel an französischen Vorbildern der Encoignure en arbalète, einem beliebten Modell des Louis XV. Aufgrund ihrer geschweiften Front wurden diese zweitürigen Eckschränke mit der Form einer Armbrust (frz.: l‘arbalète) verglichen. Johann Philipp von Walderdorff war nicht nur Kunde deutscher Ebenisten und Schreiner, sondern erwarb auch eine Anzahl französischer Möbel. So findet sich in den Archiven ein Dokument vom 10. März 1763, in dem 660 Reichstaler „für die von Metz erkaufte commods, Ecktisch mit marmorsteineren Platten, alles mit blumen gemacht sambt Feuer verguldete Beschläg“ bezahlt werden. Leider kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob in den Unterlagen der Begriff Ecktisch synonym für Eckschrank verwendet wurde. Es ist aber auffallend, dass in allen von Georg Himmelheber zusammengestellten Dokumenten zu den Möbelankäufen Walderdorffs lediglich einmal von einer „Eckkommode“ die Rede ist und ansonsten nur die Bezeichnungen „Ecktisch“ oder „Eckkonsoltisch“ vorkommen. So lieferte am 9. März 1759 der Schultheiß Strahl aus Balduinstein an der Lahn „zehn große und vier kleine Ecktischplatten aus Marmor sowie [...] zwei Tischplatten aus Marmor für den Trierer Palast“. Wenn die Bezeichnung „Ecktisch“ nun tatsächlich synonym für Eckschrank gebraucht wurde, kann auch der mündlichen Überlieferung zu diesem Möbel Glauben geschenkt werden. Demnach soll es Teil einer Gruppe gleichartiger Eckschränke gewesen sein und ursprünglich zum Mobiliar des Trierer Bischofspalais gehört haben. Gemäß der barocken Konventionen wurden Encoignuren nur selten als Einzelmöbel aufgestellt, sondern häufig paarweise, wenn nicht sogar in allen vier Ecken des Raumes. Es spricht daher viel dafür, dass noch mindestens ein gleichartiger Eckschrank existiert haben wird und die Lieferung von zehn großen und vier kleinen Ecktischplatten aus Marmor für Trier mit dieser Encoignure in Verbindung gebracht werden kann. Dann wäre es gut möglich, dass von diesem Modell ursprünglich vier Stück existiert haben, die spätestens 1759 hergestellt worden sind.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material / Technique

Eiche, Nadelholz, Marmor

Measurements ...

H 96 cm, B 75 cm, T 49 cm

[Last update: 2015/09/14]

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