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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.299]

Stuhl mit Marketerie

Stuhl mit Marketerie (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Es ist zu vermuten, dass der Stuhl ursprünglich aus dem 1794 aufgelösten Trierer Dominikanerkloster stammt. So ist dieses Symbol auch an den Seiten (Docken) von vier der 28 Laienbänke der ehemaligen Dominikanerkirche in Trier zu sehen, die nach dem 1812 erfolgten Abbruch der Kirche in den Trierer Dom verbracht wurden und heute dort im Mittelschiff aufgestellt sind. An zwei Bänken findet sich der Hund mit Fackel ohne Reichsapfel – das Zeichen für den Hl. Dominikus –, während die beiden anderen den Hund mit Fackel und Reichsapfel zeigen und damit auf den Orden verweisen. Die Dominikanerkirche diente dem Trierer Schreineramt als Pfarrkirche. Die Kirchenbänke wurden sicherlich von den Mitgliedern der Zunft gefertigt. Jeweils zwei Bänke sind gleich gearbeitet, sodass zu vermuten ist, dass 14 verschiedene Werkstätten an dem Ausstattungsprojekt beteiligt waren. Dementsprechend zeigen die Marketerien Unterschiede. Dagegen sind vor allem in der Technik und dem Material große Gemeinsamkeiten festzustellen. Auf einem furnierten Feld aus Nussbaumwurzel sind Rocailles, C- und S-Schwünge, Blüten, Blätter und sogar kleine Vögel marketiert. Alle Marketerien sind mit Gravuren akzentuiert, die mit farbigen Pasten gefüllt sind. Diese Übereinstimmungen finden sich auch im Mittelbrett unseres Stuhls und lassen den Schluss zu, dass er gleichfalls von einem Trierer Schreiner für die Dominikanerkirche oder das Kloster gefertigt wurde. Vielleicht war dieser Schreiner auch an den Laienbänken beteiligt. Formal geht der Stuhl auf englische und holländische Modelle der Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Der sogenannte Queen-Anne-Stuhl und die Sitzmöbel zur Zeit Georges I. (1660-1727) besitzen diese kompakten, kurvigen barocken Formen, die auch auf dem Kontinent Verbreitung fanden.3 Ein Vergleich mit einem Polsterstuhl von Abraham Roentgen (1711–1793) im Historischen Museum Frankfurt/M., der um 1750 bis 1755 datiert ist, zeigt große gestalterische Gemeinsamkeiten zwischen beiden Möbeln.4 Vor allem das obere Querbrett der Rückenlehne ist ähnlich ausgebildet und besitzt gleichfalls Voluten. Auch zu dem Prunkstuhl des Kurfürsten Walderdorff lassen sich enge Verbindungen feststellen. So sind sowohl die Sitz- als auch die Beinform verwandt. Wenn auch der Dominikaner- Stuhl insgesamt etwas derber in seiner Ausführung und Gestaltung ist, so kann er doch in Zeit um 1750 bis 1760 datiert werden. Er belegt den hohen künstlerischen Anspruch des bedeutenden Ordens und zugleich den Ehrgeiz der Trierer Schreiner, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Nussbaum, Nussbaumwurzel, Ahorn, Peddigrohr

Measurements

H 107 cm, B 50 cm, T 43 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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