museum-digitalrheinland-pfalz

Close
Close
Stadtmuseum Simeonstift Trier [VI.105]

Sessel (Fauteuil en cabriolet) mit Rohrgeflecht

Sessel (Fauteuil en cabriolet) mit Rohrgeflecht (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der kleine Sessel ist aus massiver Buche gearbeitet. Die originale nussbaumfarbene Fassung hat sich erhalten. Sein Rücken und sein Sitz sind aus geflochtenem Rohr. Er steht auf vier S-förmig geschwungenen Beinen. Die beiden vorderen sind an den Schultern mit einer geschnitzten Blüte verziert und haben an den Füßen geschnitzte Sabots in der Form eines Blattes. Die Zarge ist vorn geschweift und zeigt in der Mitte eine geschnitzte Blume mit umgebenden Blättern. Ihr ist ein leicht überstehender Sitzrahmen aufgelegt, der nach hinten in einem Rundbogen verläuft. Die Rückenlehne ist gebogen, der Rahmen ist in einer bewegten, mehrfachen Schweifung gebildet. Die Mitte des oberen Holms ist mit einer geschnitzten Blüte und Blättern akzentuiert, seine rechte und linke Schulter mit flachen Blättern. Die beiden gebogenen, in den Rahmen der Rückenlehne eingezapften Armlehnen bilden eine kleine Verdickung mit Blattdekor am Übergang zu den vorderen S-förmig geschwungenen Stützen aus. Diese sind in den Sitzrahmen eingezapft und besitzen in diesem Bereich eine Dekoration aus flachen, blattförmigen Schnitzereien. In seinen Formen greift der Sessel auf französische Vorbilder des Louis XV. (1730–1755) zurück und ist ein typischer Fauteuil en cabriolet. Die Bezeichnung geht auf das Kutschenmodell cabriolet zurück und ist eine Anspielung auf die runden Formen des Gefährts sowie auf dessen geringen Umfang und seine leichte und elegante Gestalt – Charakteristika, die auch das Möbel auszeichnen. Dieser Typus wurde in den 40er-Jahren des 18. Jahrhunderts modern und war so begehrt, dass er in großer Anzahl produziert wurde. Bis zum Ende des Louis XVI. (1760–1790) blieben diese Sitzmöbel beliebt. Sie ließen sich leicht gruppieren und eigneten sich besonders dazu, sie am Kamin oder an Spieltischen eng zusammenzurücken. So entsprachen sie den neuen gesellschaftlichen Gewohnheiten der Zeit Ludwigs XV. (1710–1774). Die strengen höfischen Konventionen unter Ludwig XIV. (1638–1715) wurden gelockert, Leichtigkeit, Plaisir und Unterhaltung prägten den Alltag bei Hofe, was auch in der Ausstattung der Häuser und Appartements seinen Niederschlag fand. Noch 1772 beschreibt André-Jacob Roubo (1739–1791) im dritten Band seiner Publikation „L‘ Art du Menuisier“ die Fauteuils en cabriolet als die Sitze, die zu seiner Zeit am meisten in Mode seien und die gleichzeitig auch die meiste Aufmerksamkeit des Handwerkers verlangen würden. Weiter erklärt Roubo, dass der kreisförmige und ausgestellte Umriss des Sesselrückens einem Abschnitt einer Kegeloberfläche nachgebildet sei und die Schreiner diese Form auch als „eine Hotte (eine Rückentrage) bauen“ bezeichnen würden. Auf Tafel 231 seiner Publikation bildet Roubo eine Konstruktionszeichnung mit Schnitten und Aufrissen für einen solchen Sessel ab. Der Fauteuil aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift weist in seinen Umrissformen große Übereinstimmungen mit dem dort vorgestellten Modell auf. Der Sessel zeigt in seinem Dekor die typischen Elemente des Louis quinze: die geschweiften Formen von Sitz, Rücken, Beinen und Armlehnen, wodurch er in die Mitte des 18. Jahrhunderts zu datieren ist. Da das Schnitzwerk im Vergleich zu den aus Frankreich bekannten Sesseln recht derb gearbeitet ist, dürfte der Fauteuil wahrscheinlich in Deutschland gefertigt worden sein.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift“ nachzulesen.)

Material/Technique

Buche, Rohrgeflecht

Measurements

H 92 cm, B 57 cm, T 48 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

Contact the institution

[Last update: ]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.