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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.12]

Tabernakelsekretär

Tabernakelsekretär (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der Sekretär besitzt einen dreigeschossigen Aufbau. Auf einem Tischgestell mit fünf sich verjüngenden Vierkantbeinen auf abgeflachten Kugelfüßen, die mit einem scherenförmigen Kreuzbrett stabilisiert werden, ruht das geschweifte Kommodenunterteil. Es besitzt zwei Schubladenreihen mit je drei Schüben. In der Mitte gewährt eine Kniehöhle dem Nutzer die nötige Beinfreiheit, indem die mittlere Schublade hier weniger tief und nach hinten versetzt ist. Darüber findet sich das Schreibpult mit schräger Klappe zwischen zwei Schubladen. Der Kabinettaufsatz ist ebenfalls geschweift und als Tabernakel gestaltet. Das von einer gebogten Tür verschlossene Kabinettfach erhebt sich über einer Schublade und wird zu beiden Seiten von je fünf Schüben flankiert. Zwei weitere Schubladen sind über dem Kabinettfach angeordnet. Ein profiliertes Gesims mit Trapezgiebel bekrönt das Möbel. Die seitlichen Schübe können dank der Zentralverriegelung im zentralen Kabinettfach gemeinsam verschlossen werden. Das mit Nussbaum furnierte Möbel ist an der Schauseite mit Marketerien verziert. Die Dekoration besteht aus mehrfarbigen Feldern, Bandelwerk sowie geometrischen und floralen Motiven wie Tulpen, Narzissen und Akanthusblättern. Besonders dekorativ ist der Schmuck der Kabinettfachtür: eine Vase mit Blumenstrauß. Die Seitenflächen weisen keinen Marketerieschmuck auf. Das Innere der Schreibplatte ist mit erneuertem grünem Leder mit Goldprägung belegt. Das Eingerichte des Schreibpults ist mit vier seitlichen Schubladen einfach gestaltet. Hinter den beiden oberen befinden sich versteckte Schübe, die nur herausgenommen werden können, nachdem die Schubladen entnommen worden sind. In der oberen linken Schublade befindet sich ein Notizzettel des Frankfurter Schreinermeisters Emil Müller aus dem Jahr 1939. Das Möbel wurde von einem Schreiner namens Johannes Mor an versteckter Stelle, unter dem abschließenden Deckel, mit Bleistift signiert und datiert. Derartige Signaturen lassen sich nur äußerst selten an Möbeln finden und heben somit das Schreibkabinett aus der Masse der anonymen Stücke heraus. Aber leider ist über Johannes Mor kaum etwas bekannt. In den Koblenzer Bürgerlisten ist er nicht nachweisbar. Allerdings wird in jener von 1744 ein „Schreiner des Herrn von Bürresheim“ genannt, der in der Löhrstraße wohnte. Da Handwerker, die in Diensten adeliger Familien standen, nicht zwingend das Bürgerrecht haben mussten, wäre es möglich, dass Mor mit jenem Schreiner identisch ist. Dank der Datierung ist die Entstehung des Sekretärs für 1740 belegt, ein recht spätes Datum für ein Möbel dieser Bauweise. Derartige Schreibschränke, die auf ein Tischgestell mit Vierkantbeinen gestellt wurden und mit einem Tabernakelaufbau versehen waren, waren am Anfang des 18. Jahrhunderts beliebt. Dieser Möbeltypus stellt eine Weiterentwicklung des Kabinetts
des 17. Jahrhunderts dar. In der Folgezeit wurde das Fußgestell durch eine Kommode ersetzt. Auch mit dem dekorativen Bandelwerk ist hier eine Ornamentform verwendet worden, die sich im frühen 18. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute, aber um 1740, dem Entstehungsdatum des Sekretärs, bereits nicht mehr der neuesten Mode entsprach. Zu diesem Sekretär existiert ein vergleichbares, 2002 im Kunsthandel angebotenes Möbel.4 Auch hier steht der dreiteilige Korpus auf einem Tischgestell, diesmal aber mit sieben sich verjüngenden Vierkantbeinen auf abgeflachten Kugelfüßen, die ebenfalls mit einem scherenförmigen Kreuzbrett stabilisiert werden. Die beiden Möbel sind bis zu den profilierten Leisten hin beinahe baugleich. Die Marketerien weisen aber einige Unterschiede auf. So findet sich auf der Tür jenes Kabinettfachs die Darstellung eines Harlekin unter einem Baldachin, dessen Gesicht und Hände aus Elfenbein gearbeitet sind. Auch sind die Proportionen der beiden Möbel etwas unterschiedlich. Bei fast gleicher Höhe ist der Sekretär im Kunsthandel breiter und wirkt damit in den Proportionen etwas behäbiger. Trotz der erwähnten Unterschiede können beide Möbel als aus einer Werkstatt stammend angesehen werden.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Eiche, Weichholz, Nussbaum, Buchsbaum, Pflaume und Birkenmaser

Measurements

H 191 cm, B 108 cm, T 62 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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