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Stadtmuseum Simeonstift Trier [VI.206]

Schrankaufsatz mit gedrehten Säulen und geschnitzten Ranken

Schrankaufsatz mit gedrehten Säulen und geschnitzten Ranken (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der zweitürige Aufsatz eines Schrankes mit unterer Schublade ist ganz aus Eiche gefertigt und mit aufwendigem Schnitzwerk verziert. Die Front wird rechts und links begrenzt von zwei gedrehten Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen und schlichten Basen. Sie stehen auf Würfeln, die mit jeweils einer geschnitzten Rosette verziert sind und scheinbar von Akanthusblatt- Voluten gestützt werden. Die Front der dazwischen gesetzten, niedrigen Schublade ist profiliert und an den beiden Schmalseiten mit einem Akanthusblatt dekoriert. Der originale Schlüsselbeschlag und der linke Knauf aus Eisen sind erhalten, der rechte wurde bei der Restaurierung 2014 nachgearbeitet. Eine profilierte Traverse sowie ein gebundenes Lorbeerband trennen die Schublade von den oberen Türen. Die Schranktüren schlagen gegenständig an ein Mittelbrett an. Dieses ist mit einem aufwendig geschnitzten, an einer Kordel herabhängenden Feston verziert. Es zeigt eine Vielzahl an Motiven: Girlanden, Blüten, kleine Früchte, Eicheln, Ähren, sogar einen kleinen pickenden Vogel. Den unteren Abschluss bildet die bärtige Fratze eines Maskarons. Die Türen werden von aufgelegten Profilleisten gerahmt, wodurch der Eindruck einer Rahmen-Füllung-Konstruktion entsteht. Darüber befindet sich unterhalb des mehrfach profilierten und vorkragenden Kranzgesimses eine gegenständig laufende Blüten- und Blattranke, in deren Zentrum ein vollplastisch ausgearbeiteter, geflügelter Engelskopf gesetzt ist. Im Inneren des Schrankes findet sich einfaches Einlegebrett aus Eiche. Leider hat sich das Unterteil nicht erhalten. Ein Foto des Jahres 1926 zeigt den Aufsatz. Er wird wahrscheinlich ohne Unterschrank in die Sammlung gekommen sein. Daher kann nur vermutet werden, um welchen Möbeltyp es sich ursprünglich gehandelt hat. Möglicherweise könnte er Teil eines Buffets gewesen sein, bestehend aus einem tiefen Unterbau und einem zurückspringenden Aufsatz. Mit seinem geschnitzten Dekor ist das Möbel stilistisch an das Ende des 17. Jahrhunderts zu datieren. Es verbindet ältere und modernere Ornamentformen miteinander. So weisen die figürlichen Motive wie der Engelskopf, der Maskaron und der kleine Vogel des Festons auf frühere manieristische Dekorationen hin. Allerdings sind davon nur noch wenige Reminiszenzen vorhanden, lediglich im Maskaron sind solche noch zu spüren. Die gedrehten Halbsäulen hingegen wie auch die Akanthusblätter und Voluten, das gebundene Lorbeerband und die Blüten- und Blattranke gehören einer späteren Ornamentstufe an. So ist z. B. die spiralig gedrehte Säule am deutschen Möbel erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Gleichzeitig weist die traditionelle Fertigungsweise des Möbels, das ganz aus Eiche und mit Schnitzwerk ohne Marketerie gearbeitet ist, auf einen eher provinziellen Entstehungsort hin. Auch die sehr herkömmliche Technik, mittels der aufgeblendeten Profilleisten den Eindruck einer Rahmen-Füllung-Konstruktion zu erreichen, dürfte ein Hinweis auf eine Werkstatt in der Provinz sein. Alle diese Elemente lassen den Schluss zu, dass das Möbel im westdeutschen Raum entstanden sein dürfte. Auf dem Inventaretikett von 1923 ist vermerkt, der Aufsatz sei im Tausch mit „F. Berg“ in den Besitz des Museums gelangt und soll „früher in Ralingen gestanden haben“. Der Ort liegt an der Sauer im Landkreis Trier-Saarburg. Eine Entstehung des Möbels in dieser Region wäre daher durchaus plausibel.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Eiche

Measurements

H 97.5 cm, B 119 cm, T 45 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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