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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.10]

Zunftlade der Trierer Schreiner, Wagner und Zimmerleute

Zunftlade der Trierer Schreiner, Wagner und Zimmerleute (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Der quergelagerte, achteckige Korpus der Zunftlade der Trierer Schreiner, Wagner und Zimmerleute ist aus Eiche gefertigt, mit Nussbaum furniert und mit Marketerie aus Nussbaum, Nussbaumwurzel und Zinnfäden verziert. Verkröpfte profilierte Horizontalleisten gliedern das Kleinmöbel. Es steht auf acht kleinen Klotzfüßen aus Nussbaum. Diese sind augenscheinlich neueren Datums, da sie sehr grob und nicht genau passend gearbeitet sind. Auf ihnen ruht ein Sockel, der eine Schublade birgt. Sie kann mittels eines von innen durch den darüberliegenden Boden zu steckenden, schlüsselartigen Eisendübels verriegelt werden. Ein auf der Front der Lade montierter Knauf dient zum Herausziehen derselben. Die Korpusecken sind abgeschrägt (Pans coupés) und werden von schlanken Pilastern akzentuiert, deren Postamente der Sockelhöhe entsprechen, während sich ihre Schäfte über die gesamte Höhe des Hauptgeschosses erstrecken und unterhalb des glatten Gesimses in schlichten Kapitellen enden. Die konvex gewölbte Frieszone des Gesimses ist mit Nussbaumwurzel furniert. Die Ladenseiten, die Pilasterschäfte und deren Postamente sind dergestalt marketiert, dass in das Nussbaumfurnier Spiegel aus Nussbaumwurzel eingelegt sind, welche von Zinnfäden gerahmt werden. Auf den vier Hauptseiten sind in die Spiegel mittels schmaler, ebenfalls zinngerahmter Bänder aus Nussbaum Kartuschen eingeschrieben. An den beiden Schmalseiten sind zwei eiserne Tragegriffe angebracht. Der dachförmige Deckel setzt sich aus gestuften, sich nach oben hin verjüngenden, kräftigen Profilen zusammen. Sein querrechteckiger Abschluss ist mit einer geschnitzten Rollwerkkartusche verziert, in der die Jahreszahl 1635 und die Initialen IHW zu lesen sind. Reste einer ursprünglichen Vergoldung sind noch zu erkennen. Diese Kartusche ist gleichzeitig auch die Schiebeplatte, unter der sich das Schloss der Lade verbirgt. Das Schloss ist an der Unterseite aufwendig ziseliert. Die Fallriegel können in dem einen Schlüsselloch nacheinander mit zwei verschiedenen Schlüsseln nach rechts bzw. nach links zurückgezogen werden, wodurch sich der Deckel heben lässt. Er wird von zwei Eisenschienen gehalten, die an seiner Unterseite angebracht sind und an den Schmalseiten in entsprechende Führungen gleiten. Erst nachdem sie mittels eines kleinen Hebels an der Seite des Schlosses wieder gelöst worden sind, fallen sie beim Schließen des Deckels automatisch in die Haltevorrichtung ein. Im Inneren befinden sich mehrere Facheinteilungen sowie zwei kleine Schubladen, die offensichtlich späteren Datums sind. Sie werden durch einen kleinen Holzriegel arretiert. Die Lade ist zwar aufwendig gearbeitet, aber in ihrem Äußeren neutral und ohne Hinweis auf ihren Verwendungszweck gehalten. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Laden von Schreinerzünften finden sich an der Trierer Lade keinerlei Hinweise auf das Gewerk wie Werkzeuge, Möbel oder gar eine Werkstatt. Als Grund für ihre zurückgenommene und eher neutrale Gestaltung vermutet Greber den Umstand, dass in dieser Trierer Zunft verschiedene Gewerke zusammengeschlossen waren. Neben den Schreinern gehörten die Zimmerleute und Wagner zu diesem Amt. Die Lade gehörte neben der Fahne und dem Willkomm zu den Amtskleinodien der Zunft der Trierer Schreiner, Wagner und Zimmerleute. Sie war von großer Bedeutung im zünftigen Leben und wurde im Amtshaus aufbewahrt. In ihr wurden die Privilegien, die Ordnungen, das Bruderschaftsregister und das Siegel aufbewahrt. Für die Barschaft diente die sogenannte Büchse als Zunftkasse. Die beiden Schlüssel, mit denen die Lade zu öffnen ist, mussten laut § 7 der Zunftordnung des Trierer Schreineramts von 1681 getrennt aufbewahrt werden. Einen erhielt ein Meister und den zweiten der sogenannte Ladengeselle. Beide mussten getrennten Werkstätten angehören. Damit war sichergestellt, dass mit dem Inhalt der Lade kein Missbrauch getrieben werden konnte. Bei den Versammlungen stand sie geöffnet auf dem Tisch. Bei offener Lade wurden die Einschreibungen und das Austragen der Lehrlinge vorgenommen, die Meister aufgenommen und ins Bruderschaftsregister eingetragen. Es durften keine unziemlichen Worte fallen, nicht getrunken oder Glücksspiele gespielt werden. Bei Zuwiderhandlungen wurden Geldstrafen erhoben. Wer vor die geöffnete Lade trat, musste seinen Hut ziehen. Bei Festumzügen wurde sie hinter der Zunftfahne von vier jungen Meistern oder ausgewählten Gesellen getragen, die vorn und hinten von Männern mit gezückter Hellebarde oder Degen eskortiert wurden. Die Lade war somit die Verkörperung der Zunft.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Korpus Eiche, Marketerie Nussbaum, Nussbaumwurzel

Measurements

H 47.5 cm, B 61 cm, T 43.5 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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