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Stadtmuseum Simeonstift Trier Möbel [VI.224]

Kastentruhe auf Brettsockel

Kastentruhe (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Simeonstift Trier (RR-R)

Description

Die Kastentruhe ist in einen hohen Sockel eingelassen. Dessen Bretter sind miteinander verzinkt und bilden optisch Füße aus, indem sie in den Mittelpartien ausgeschnitten sind, auf den Schmalseiten kielbogenförmig, auf der Frontseite silhouettiert. Die Sockelfront ist mit Blattranken und Zinnen in Flachschnitzerei dekoriert, während die Rückseite entsprechend der geplanten Aufstellung vor einer Wand schlicht gearbeitet wurde. Reste der farbigen Fassung sind teilweise noch gut erhalten. Die Truhe selbst, ein einfacher, in Verzinkung gefertigter Kasten mit Deckel, ist an der Front in drei gleich große Felder gegliedert, die von aufgelegten Profilleisten gerahmt sind, wodurch der Eindruck einer Rahmen-Füllung- Konstruktion entsteht. Die beiden zwischen den Feldern aufgelegten Lisenen sind mit Schrägstreifen verziert. Ein vegetabiles Rankenornament, welches jenes des Sockels in verfeinerter Form wieder aufnimmt, fasst diese rahmend zusammen und wiederholt sich rechts und links außen in den Leisten an den Stirnseiten der Seitenwände, wo sie gleichzeitig die Verzinkung kaschieren. Dieser Dekor ist gänzlich aufgelegt, es handelt sich folglich nicht um eine Rahmen-Füllung-Konstruktion. An diesen Partien ist die farbige Fassung partiell erhalten. Die drei Felder selbst sind in wesentlich gröberem Konturschnitt verziert, wobei das jeweils zentrale Motiv von einer kreisrunden, rahmenähnlichen Form umgeben ist. In das linke Feld ist ein bisher noch nicht entschlüsseltes Monogramm eingeschnitzt. Das mittlere zeigt eine Form, die einem Wappenschild ähnelt und von einem grünen, von links oben nach rechts unten gesetzten Schrägbalken durchschnitten wird. Dort ist der runde, eiserne Schlüsselschild des 16. Jahrhunderts mit fünf Nägeln angebracht. Zwei aufgelegte, gegenständige S-Schwünge aus Eisen bilden den Schlüsselfang. Das dritte Feld wiederum trägt die Datierung „1575“. Die Seitenwände sind unverziert belassen, an jeder ist ein großer, eiserner Traggriff befestigt. Die Rückwand ist lediglich grob bearbeitet. Ein Foto aus dem Jahre 1926 zeigt, dass der Deckel ursprünglich an der vorderen Kante ein Flechtbanddekor in Flachschnitt besaß. Zum Zeitpunkt der Neuinventarisierung war von ihm nur noch das rückwärtige Brett mit den eisernen Bandscharnieren erhalten, sodass bei der Restaurierung 2013 das vordere Brett und der Rahmen ergänzt wurden. Auf eine Rekonstruktion des Dekors wurde verzichtet. Im Inneren der Truhe findet sich an der linken Seite eine einfach gearbeitete Beilade, deren Boden bei der Restaurierung ergänzt wurde. Am rechten Seitenbrett ist im oberen Drittel eine rechtwinklige Einkerbung erhalten. Diese ist ein Hinweis auf die „Hohe Kante“ die sich ursprünglich dort befunden hat.
Zur Herkunft der Truhe geben die Inventare keine weiteren Informationen, als dass sie aus der Sammlung Bock stammt. Wie sie dorthin gelangt ist, ist leider nicht überliefert. Der Konstanzer Zollstempel aus der Zeit des Großherzogtums Baden und die Transportetiketten geben nur einen Hinweis auf die verschiedenen Transporte und sind zeitlich nicht genau eingrenzbar. Truhen mit einer gleichmäßigen Drei-Felder Gliederung und rahmendem Flach- und Konturschnitt finden sich im 15. und vor allem im 16. Jahrhundert in alpenländischen Regionen.
Dekore mit Kreismotiven, gemalt oder im Konturschnitt, wie sie an der hier vorgestellten Truhe auftreten, sind in Tirol und dort vor allem im Ötztal zu finden. Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien besitzt eine 1587 datierte Kastentruhe auf Gestell aus dem Ötztal, deren Front durch
vorgesetzte Leisten in drei gleiche Felder gegliedert ist. Zwar sind die Felderflächen mit Bemalung verziert und die Ausführung ist feiner, doch finden sich interessante Parallelen in den Dekorationsmotiven. Was sich beim Möbel des Stadtmuseums Simeonstift als ungelenke Kreisform mit vier Blattformen in Konturschnitt darstellt, kann dort als gegenständig gesetzte Volutenformen erkannt werden. Offenbar war der Handwerker der Truhe aus Trierer Besitz mit der Schnitztechnik des Konturschnitts nicht so vertraut, womit sich die etwas ungelenken Formen erklären lassen. So wirkt die Position des Schlüsselschilds des 16. Jahrhunderts im zentralen Feld merkwürdig schief, obwohl er gerade und genau mittig sitzt. Er wurde eindeutig nach dem Aufbringen der Konturschnitt- Verzierung angebracht. Da die Schnitzereien im Flachschnitt gekonnter erscheinen, liegt die Vermutung nahe, dass die Schnitzarbeiten von verschiedenen Händen ausgeführt worden sind. Hierdurch würde sich auch das ungewöhnliche und unstimmige Erscheinungsbild der Truhe erklären. Wie oben schon erwähnt, muss die Truhe als ein Bauernmöbel des späten 16. Jahrhunderts angesehen werden, das aus den Alpenländern, vermutlich Tirol, vielleicht sogar aus dem Ötztal, stammt.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material/Technique

Kiefernholz

Measurements

H 99 cm, B 183 cm, T 69 cm

Stadtmuseum Simeonstift Trier

Object from: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Museum ist ein stadtgeschichtliches Museum mit Sammlungsschwerpunkten auf Zeugnissen der Trierer Stadtgeschichte sowie auf Kunst und Kultur der ...

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