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Mittelrhein-Museum Koblenz Malerei [M33]

Die Messe des Heiligen Gregor

Die Messe des Heiligen Gregor (Mittelrhein-Museum Koblenz CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Mittelrhein-Museum Koblenz (CC BY-NC-SA)

Description

Wie in der im Frühmittelalter verfaßten Vita beschrieben, bestand das Wunder der Gregorsmesse darin, daß dem Papst in der Hostie ein blutiger Finger erschienen sei. Später wurde die Legende insoweit variiert, daß statt dessen Christus selbst erschienen sei. Dieses Thema wurde gern für Andachtbilder aufgegriffen, vor allem, weil die Kirche armen Seelen für Andacht und Gebet vor solchen Bildern Ablaß und Hilfe versprach.
In diesen Zusammenhang ist auch das hier gezeigte qualitätvolle Tafelbild einzuordnen. Es zeigt Papst Gregor den Großen, der zusammen mit Administranten und anderen die heilige Messe zelebriert. Sie alle zeigen sich völlig unbeeindruckt von der Erscheinung des Gekreuzigten, dessen Blut in den unter ihm stehenden Kelch rinnt. Über dem Altarretabel sind wie in einer Collage die Leidenswerkzeuge Christi dargestellt: z.B. die drei Nägel und die Zange, die dreißig Silberlinge für den Verrat des Judas, das Schweißtuch der heiligen Veronika, sowie rechts des Kreuzes die Geißelwerkzeuge, die Martersäule, der Hahn, der Judaskuß, die drei Salbgefäße sowie die Kanne und das Becken, in dem sich Pilatus die Hände wusch. Christus steht vermeintlich leibhaftig auf dem Altar, und auch das Kreuz wurde perspektivisch in die Szenerie eingefügt, so daß nicht eindeutig zu klären ist, ob es Teil des Altars oder der Vision ist. Die der Passion Christi entnommenen Elemente wirken hingegen wie auf den Goldgrund appliziert, was deren visionären Charakter unterstreicht. Gerade diese Mischung der unterschiedlichen Darstellungsformen illustriert auf eindringliche Weise den mystischen Akt des christlichen Abendmahls in der Überzeugung von der Einheit von Eucharistie und Leib Christi. Der Kirchenlehrer und spätere Papst (590-604) Gregor der Große wird als einer der einflußreichsten Gelehrten des frühen Christentums zu den vier Kirchenvätern gezählt. Seine umfangreichen theologischen Schriften, Handbücher und Briefe durften in keiner mittelalterlichen Bibliothek fehlen. Seine Toleranz und christliche Nächstenliebe brachten ihm allgemein eine große Verehrung ein, die sich bis zum Mittelalter in vielen Legenden äußerte. So sollte Gregor das dogmatisch vollkommen Undenkbare vollbracht haben, nämlich die Befreiung der Seele eines toten Heiden aus dem Fegefeuer. Hierbei habe es sich um den römischen Kaiser Trajan gehandelt, den Gregor für einen besonders gerechten Imperator hielt. Deshalb habe er persönlich bei Gott eine Ausnahmeregelung für das ansonsten prinzipiell für alle Nichtchristen geltende Verdammungsurteil erwirkt. Uns ist er heute noch aufgrund der nach ihm benannten Reform des Kirchengesangs bekannt.
Entsprechend findet sich auf einer Vielzahl dieser Darstellungen das Fegefeuer, aus dem verdammte Seelen durch die Liturgie des Gregor befreit werden sollen. Das Thema war in der bildenden Kunst besonders nördlich der Alpen zwischen 1430 und 1600 sehr beliebt. In diesen Zusammenhang ist auch das kleinformatige qualitätvolle Tafelbild aus dem Mittelrhein-Museum einzuordnen.
Pastor Lang war überzeugt, dass das Gemälde von der Hand des Fra Angelico (1387-1455) stammte. Nach langjähriger Zuschreibung an einem unbekannten Kölner Meister wurde das Bild 2001 von Didier Martens überzeugend dem Entstehungsraum Brüssel um 1500 zugeordnet. Dafür sprechen die starken Ähnlichkeiten der Koblenzer Tafel mit der um 1420/30 geschaffenen berühmten Gregorsmesse des Meister von Flémalle (tätig um 1410-1440, Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts), die im 15. Jahrhundert zahlreiche weitere Varianten der Gregormesse erzeugte.Neuesten Untersuchungen zufolge stammt es von einem am Ende des 15. Jahrhunderts in Brüssel tätigen Maler aus dem Umkreis des Meisters der Katharinenlegende.

Material/Technique

Tempera auf Holz

Measurements

H 28,5cm x B 19,7cm

Relation to people

Relation to time

Literature

Keywords

Object from: Mittelrhein-Museum Koblenz

Seit 2013 befindet sich das Mittelrhein-Museum im sogenannten Kulturbau (Forum Confluentes) am Koblenzer Zentralplatz und präsentiert in den neuen, ...

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[Last update: 2017/04/29]

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